Ein Schmerz war geboren

© hpkluge 2018

Es hat sich der Stab

schattenspendend über die Insel gelegt

ein Pirol kam jubilierend daher

und umtanzte die Sonne, Mal um Mal mehr.

Es ging die Frage nach all dem Herz,

dessen es wohl bedurfte, um sich einsichtig

all dem gewiss zu sein.

Ein Schmerz war geboren

im finsteren Mantel der Nacht

ihm wurde wie mit dem Lineal

der wahre Weg bis hinter den Horizont gezogen.

Allein, es wurde und war doch schon klar,

dass jede Zukunft dort

ihr Leben längst hier und jetzt vergaß

und über die Scherben fremder Illusionen schreitend

blutsäend verlor.

Es war kein bleibendes Mal am Strassenrand

Der schillernde Wachtraum erhob sich als Woge

fand sich zu einem ahnungsvollen Gesang,

um, wie die trocknende Sandburg,

zu Tränen aus Kinderaugen zu zerinnen und zu zerfließen.

Der Lichtstrahl, der hinter dem Horizont seinen Anfang nimmt

wird auf seiner Reise vom Leben der Erde gebogen

und jagt, seine gegebene Kraft verzehrend

dem Ende in seinem Anfang zu.


Chorschweigen

© hpkluge 2018

Knochengleich gebleichte Klaviatur

lässt nur melancholisches Gelächter zu

paart sich mit hochmütig segnenden Lügen

Empörung der Opfertum heuchelnden Schänder

Die Asche blut- und spermabedeckter Gewänder

wird unter Reinheits- und Fortschrittsgelübden

zu umnachtenden Riten schauernd dem Nichts übergeben.

Schweigen fällt eisenbeschlagenen, eichernen Kerkertüren gleich

in ein nie mehr im Leben zu öffnendes Schloss.


Anders

© hpkluge 2018

Du darfst nicht gegen etwas, nicht gegen einen andren sein, der anders ist

das Andere ist schön, weil es anders ist

und der Andere, der anders ist,

trägt einen Schatz in sich für dich, für mich und für jedermann

du musst schützen, achten, ehren, alles was und jeden, der anders ist

So tanzten sie selig in bunter Kleidung erst, in den Händen bunte Fahnen,

Luftballons, Kinderspielzeug, beglückt, dann in Schwarz und ohne Gesicht

durchglüht von schreiender Erkenntnis,

des einzig Echten, Guten und Wahren!

Heute Nacht kamen sie,

warfen den Brandsatz in mein Haus

durchs geschlossene Fenster des Kinderzimmers

warfen Beutel mit Farbe gegen die Wände

zerschlugen, mein Auto und fackelten es ab

verprügelten mich mit Eisenstangen

drangen mit zerschlagenen Flaschen auf mich ein,

Ihre Pflastersteine trafen meinen Schädel, mein Leben

und ihre Scheiße, die sie auf mich warfen, traf meine Achtung, meinen Stolz

sie lachen und wissen, sie dürfen trotz allem weiterleben

und, wenn sie es wüßten, es wäre ihnen eiskalt egal,

dass ich nach allem, was sie mir antaten,

nicht weiterleben darf, sondern überleben muß…

weil ich anders bin als sie.


Nicht den allerletzten Schrei

© hpkluge 2018

Der Winter war ein Kaktussturm,

Böllerdröhnen hoch vom Turm

die feste Hand ganz fest im Schritt

an Po und Dekolleté der Damen – Schnitt

Eine Spinne aus ´nem Bourbonglas

hat ihm Haare auf den Kopf gesponnen – Spaß

Hat den Schädel angebohrt, ihm Eier ins Gehirn plaziert

und er ist trampelnd spinnend durch die Welt spaziert.

Als mieses Hologramm der großen Hollywoodstern Helden,

die sich um Mitternacht im Weißen Haus beleidigt melden.

Die Cowboys haben ihn gewählt, sogar sehr viele taffe Damen,

die solche Fakes und Kerle sonst ausstopfen, präpariern und rahmen!

Softe Jungs aus und vorbei, die Mode will ein hartes Ei!

Und die „shades of grey“ warn sicher nicht der allerletzte Schrei!

China, Korea Nord, Russland, Saudi-A, Iran und Türkei…

Der Wahnsinn wird zur Pandemie, killt Vernunft, Geduld, Verstand

droht der Welt krank und ich-besoffen: ich mach Dich zu atomarem Sand

denn, wollt Ihr nicht unsre Sklaven sein, bomben wir Euch die Schädel ein!


Der Weg

© hpkluge 2018

Sanftes Lächeln streichelt deine Wangen, liebevoller Augenblick

Dennoch irgendwie, verstörend dieser tiefe weite Wassergraben

das andre Ufer rückt mit jedem Atemzug noch etwas mehr zum Horizont

Aber nein, so sei´s doch nicht, im Gegenteil. Er sitzt, der ungetane Stich.

Wie fühlst du? Wie fühlst du dich? Du weißt noch nicht.

Du, dusolltest nicht, auf gar keinen Fall, so sei´s und nein, so ist es nicht.

Der gerade Weg vor dir, du siehst,das Lächeln lockt so sanft,

scheint ihn behutsam doch bestimmend zwingend abweichend zu krümmen.

Was ist nur los mit dir, hörst du es milde sagen mit ernst besorgtem Unterton

Wieso nur bist du und wann hierher abgebogen?

Auf diesem Weg, da wurdest du geboren, ihn zu gehen einst erzogen

nun soll er falsch sein, schlecht und ganz und gar in die Irre führen.

Die Gebirge hätten sich verschoben, sein anders nun zu überwinden

Es streckt sich helfend dir entgegen und so verständnisvoll das Augenpaar

schaust dich um, trägst es im Herzen, siehst das Gebirge wo es immer war

Es flüstert dir ins Ohr das liebevolle Lächeln:

okay, doch du weißt schon, wenigstens solltest du es wissen,

dass es alle anders und vor allem: etwas richtger seh´n!

Versteh doch, dass sich alle fragen und sich Sorgen um dich machen!

Ich habe und ich habe längst,verstanden.


Frettchen

© hpkluge 2018

Frettchenspitziges Frettchengesicht, mit Frettchenaugen hinter Frettchenaugen hervorhebendem Brillengestell

Haare in Frettchenrostrot gefärbt,

weiße Bluse, wo weißes Brust- und Bauchfell sonst kontrastiert

frettchenflink und frettchenscharfäugig und frettchenhungrig witternd

scharfe Worte, wie Frettchengebiss

gezielt possierlich eine Kundenklientel lockend,

kulturell, kreativ, intellektuell Expertise vorgebend; das hat seinen Preis,

den zahlt, wer sich eitel mit kostspieliger Fremdschmeichelei verwöhnt,

weil sie die von ihm viel zu selten, dafür aber viel zuviel kaltes Geld kriegt.

lebt gut von dem Geld, was ihr keiner, aber der und der, vielen anderen gibt.

Frettchenspitziges Frettchengesicht



Schlange

© hpkluge 2018

„Ich!“, sagte sie, schob sich, einer Praline gleich, ein weiteres Stück seiner Lebenszeit in den Mund, schmatzte genüßlich; ihr weißes, schlaff-fettiges Fleisch bewegte sich wie in Wellen unter dem zeltartig weiten Gewand, das zudem bei Gegenlicht mehr zur Schau stellte, statt zu verbergen. Ihr kaltnervös toter Lauerblick glitt durch den Raum, zitterte umher, wie die nach Beute spähende Zunge einer Steppenschlange,war zugleich eifersüchtig darauf bedacht, stets in seiner Nähe zu sein, wenn er sich interessiert dem Werk einer andren Person, näherte, von dem er angezogen wurde, und das drohte, sich zwischen ihres und ihn zu plazieren. Bei ihm gelang es ihr dennoch nicht, ihn mit ihren Hintergrundinformationen wie bei der Hand nehmend, kurskorrigierend wieder auf sich zu fixieren. So, wie sich die Schlange im Staub windet, war sie mit jedem Schmutz eines Konkurrenten, einer Konkurrentin vertraut.

„Du wirst schon sehn,“ sprach ihn am Buffet ein Schöpfer neonbunter Werke auf Holztafeln an. „Am Ende wird sie Dich ausgesaugt haben, wie jeden von uns, den Du hier siehst. Ihr Trick ist es, pummelig hilfos nett um Hilfe zu bitten,und wieder und wieder –  sei bloß nicht auch so dumm!“

„Ich!“,sagte sie wieder einmal, nachdem sie eben erst und kurz davor… Er sah nun die Neonfarben der Holztafelwerke durch ihr zeltartig weites Gewand schimmern und sah ihr wogend wallendes Fleisch, erkannte, dass all das Fett nichts anderes war, als die angefressene Zeit aller, die geglaubt hatten, ihr etwas helfen zu müssen aus Kameradschaft, Solidarität unter Kollegen oder ganz einfach aus Mitmenschlichkeit. „Nein!“,entgegnete er. Sie umschlängelte ihn und schlängelte sich ihm in den Weg, tat sorgenvoll, hilflos, traurig, fragend veschüchtert.Dreimal sagte er „Nein!“. Erst, als er schließlich und zweifellos den Fuß hob mit dem eisenbeschlagenen Stiefel aus allerendgültigstem „Nein“, glitt sie von hinnen und sah es ein.

Nicht einen Sekundenbruchteil bekam er zurück, aber seine Zeit gehört nun wieder ihm ganz allein!




Fleisch

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Dieter hatte sich geduscht, mit duftiger Lotion eingerieben, die Nägel gefeilt und mit klarem Nagellack zum Glänzen gebracht. Er hatte nicht wirklich schöne Haare, aber sie waren lang und außerdem hatte er nicht vor, den Traummann zu faszinieren. Seine Brüste hatten inzwischen das Maß einer Handvoll erreicht, seine Haut war samtig geworden und er hatte jedwede überflüssige Behaarung entfernt. Er entschloss sich, die neue schwarze Unterwäsche anzuziehen, die er sich gestern erst in der Stadt gekauft hatte. Ein schöner Frühlingstag ist immer auch Inspiration. Er wählte einfigurbetonendes wadenlanges Kleid mit gerade genug Dekoltait und einem gedeckten floralem Muster. Zierliche Sandalen brachten seine schönen Füße zur Geltung und die gehäkelte Umhängetasche mit einem Buch, einem Collegeblock und einem Etui für Stifte wiesen ihn als Studentin der nahe gelegenen Universität aus. An der Landstraße angekommen hatte er Glück. Gleich der erste Wagen, der auf seinen ausgestreckten Daumen und das Poschwingen reagierte, hatte einen vielversprechenden Fahrer. Brauner südländischer Typ, mit schwarzbraunen Augen, die sofort begannen, ihn zu verschlingen. Er hatte diese Antenne, die nur bedeuten konnte, dass er Mädchen wie Dieter, anderen bevorzugte. Dieters Erregung, die als kleines Zelt über seinem Schoß sichtbar wurde, gab ihm die erhoffte Bestätigung. Als der Abzweig in einen Forstweg kam, bog er ein. Wenige hundert Meter später hielt er an einer Stelle an, wo der Weg von dichten Büschen gedeckt uneinsehbar war. Sie stiegen aus, Dieter ließ das Kleid im Wagen, der Fahrer kam auf ihn zu, umarmte und küsste ihn mit atemberaubender Leidenschaft. Er ließ seine Hosen hinunter und drängte sein hartes Glied gegen Dieters. Als der beide Glieder umgriff, rieb und knetete, wäre es dem Burschen um ein Haar schon gekommen, was Dieter mit einem „ungeschickten“ Druck seiner Nägeln in den Schaft dessen Gliedes verhinderte. Als der ihn wieder gegen sich presste und ihm die Zunge in den Mund schob, setzte Dieter den „griechischen“ Griff an, der die Blutzufuhr zum Gehirn drastisch unterbricht. Der Kavallier ging seufzend in die Knie. Dieter verstärkte den Griff und er sank bewußtlos zu Boden. Schnell holte Dieter das Messer aus der Tasche am Rücksitz, öffnete ihm beide Halsschlagadern und zog ihn zum Wegrand. Dahinter war ein Drainagegraben und die Abschüssigkeit vom Weg abwärts kam der Ausblutung entgegen. Während das Opfer so dalag und hin und wieder noch ein leichtes Zucken zu sehen war, bereitete Dieter den Kofferraum dessen Wagens mit einer festen Plane vor, die der zufällig praktischerweise mit sich geführt hatte. Nach einer knappen halben Stunde war er bereit und Dieter packte ihn mit aller Kraft in den Kofferraum. Er säuberte sich von einigen Blutspritzern und der Erde an den Füßen und zuletzt auch das Messer mit dem Mineralwasser aus der kleinen Flasche, die er ebenfalls in seiner Umhängetasche dabei hatte. Danach zog er das Kleid wieder an, legte etwas Lippenstift auf und setzte sich ans Steuer. Er war gerade auf die Landstrasse eingebogen, als er im Rückspiegel sah, wie ein grüner Geländewagen in den Weg einbog. In diesem Moment begann sein Herz heftig zuklopfen. Was hatte er da für ein Glück gehabt!

Eine halbe Stunde später war er am Sportflughafen, fuhr in den Hangar der Flugschule. Wie immer war seine Auftraggeberin selbst gekommen, um die Ware in Augenschein zu nehmen.

„Sehr gut, Dieter! Du hast wirklich einen guten Blick!“, sagte sie. Reichte ihm ein Kuvert, das er ungeöffnet entgegennahm, während zwei kräftige Burschen in Overalls, seine Lieferung samt Folie in den Laderaum einer zweimotorigen Cessna packten. Seine Auftraggeberinb verabschiedete sich von ihm, stieg in die Maschine, aus der ein unscheinbarer alter Kerl in blauer Handwerkermontur ausstieg. Er fuhrDieter in die Stadt und den Wagen dann irgendwohin.

Dieters Arzt empfing ihn wie immer hocherfreut, denn mit ihm kam bares Geld, von dem niemand sonst etwas erfuhr. Dieter zahlte die zurückliegenden Monate einschließlich der Hormonbehandlung und teilte ihm mit, daß er sich gegen Brustimplantate und Aufspritzungen entschieden hätte. Der Arzt hörte das nicht gern, aber andererseits war Dieter immer noch eine lukrative Baustelle und ein pünktlicher Barzahler. Seine jüngste Ehefrau arbeitete seit kurzem in seiner Praxis mit. Sie war Dieter sofort aufgefallen, denn sie entsprach einigen Anforderungen, die ihm seine Auftraggeberin unter einer Reihe anderer genannt hatte. Leider kam sie nicht infrage, nachdem er ein Getuschel unter den Angestellten mitbekommen hatte, dass sie Kokain und Marihuana sehr zugetan sei und zudem seit kurzem dieser Laster wegen verhüte.

„Ich kann diese Transe nicht ab, Anna!“, meinte einer der beiden Männer in der Cessna. Die Angesprochene lächelte ernst.

„Dein Job ist es, diese Maschine zu fliegen, mein Bester! Meine Aufgabe ist es, beste Qualität für die Küchenchefs unserer Restaurants zu liefern! Dieses werdende Mädel hat schon mehr gute Ware beschafft, als ihr Vorgänger. Ich habe das Gefühl, Cedrik, die Kleine gefällt Dir mehr, als Du es Dir zugeben magst. Wo sagtest Du, bist Du zur Schule gegangen? In Eton?“ Der zweite Mann kicherte leise in sich hinein.

Roderik war sehr zufrieden, nachdem er die Lieferung geprüft hatte. „Davon könnte ich Woche für Woche zwei bis drei Stück gebrauchen!“, sagte er und zwei seiner Mitarbeiter schafften sie in einen Nebenraum zur Verarbeitung.

„Im Augenblick bin ich auch knapp an gutem Burgermaterial,“ sagte er und sein Blick glitt kurz zu Anna´s Begleitern.

„Der eine ist mein Pilot, den kann ich Dir nicht überlassen!“, entgegnete sie leise.

„Kein Problem, Darling! Ich kenne da einen Burschen, dessen Dienstzeit bei der Royal Airforce abgelaufen ist und der noch keine Lust hat, Golf im Veteranenclub zu spielen. Der ist cool, der fliegt alles, hat für beinahe alles eine Lizenz und wäre sofort zu kriegen!“

„Okay, Rod, wenn Du so sicher bist, stell ihn mir vor!“

„Darling, versteh mich nicht falsch, aber ich stehe unter gewissem Druck! Ich verbürge mich persönlich für diesen Mann!“, meinte Roderick.

„Du weißt, welches Risiko Du von mir verlangst!“

Rod nickte und Anna ergriff seine dargebotene Hand. Auf seinen Wink hin, nahmen sich die beiden Mitarbeiter Anna´s Piloten und des zweiten Mannes an, schleiften die Bewußtlosen in den Raum und wenige Augenblicke später hingen sie bereits nackt an Haken und  ihr Blut lief in eine Auffangwanne.

Irritiert zog sich Anna eilig in einen offen stehenden Raum zurück, als drei Sanitäter durch die Eingangstür gerannt kamen, jeder mit zwei Kühlboxen. Roderik wies sie in Richtung des Verarbeitungsraumes, kurze Zeit später kamen sie wieder heraus und verließen den Trakt durch den Eingang. Dann blitzte Signallicht auf, Sirenen pfiffen und quietschende Autoreifen begleiteten den Alarmstart.

Roderik trat Anna entgegen und erklärte:

„Bei Burgerexemplaren verwenden wir nur das reine Muskelfleisch, für die Innereien und anderes haben wir keine Verwendung, aber einige Kliniken, die Organtransplantationen vornehmen. Ich war so frei Einblick in die medizinischen Akten Deiner ehemaligen Mitarbeiter zunehmen, ich leitete die weiter und bekam Interesse angemeldet. Schau mich nicht so an, Anna! Diese Geschäfte wurden ganz oben entwickelt und in die Wege geleitet. Du wirst hübsch die Füße ruhig halten, Darling. Auf diese Geschäfte gibt es weder für mich, noch für Dich einen Bonus und wenn Du nicht willst, dass wir beide als Hundefutter enden, dann vergiß es ganz schnell!“

Anna war einigermaßen überrascht, hatte aber vollkommen verstanden.

„Meinst Du, Dein Ladyboy kann uns für die kommenden, sagen wir mal, zwei Wochen“ weitere zwei bis vier Stück dieser gelieferten Qualität klar machen? Keine weiblichen Exemplare bitte, es sei er könnte zusichern, dass da keine chemischen Verhütungsmittel, Abnehmpräparate, Medikamente oder Drogen im Spiel waren. Du weist, wie sehr das den Geschmack und die Zubereitung zunichte und unser Risiko unkalkulierbar macht!“

„Ich werd mit ihm reden. Er ist längst ein echter Experte und außerdem so intelligent, sich bei mir im Zweifel zu melden, um Rat zu holen.Es war eine sehr visionäre Entscheidung, diesen Jungen bereits so früh als Mädchen zu erziehen. Es ist erstaunlich, wie sehr er in dieser Ambivalenz auf exakt das von uns benötigte Material wirkt!“

Rod nickte.

„Ist kein Zufall, dass unsere Häuser die führenden Adressen für die Kenner und Genießer unserer Delikatessen sind!“

Als Dieters Auftraggeberin ihn zu einem Treffen in ein kleines Landhotel bat, war ihm klar, dass der Anlaß von besonderer Art sein mußte, denn sein verschlüsselter Austausch mit ihr über den speziellenMessenger funktionierte bestens.

„Dieter, mein Schatz, Du bist zu einer derart attraktiven jungen Dame geworden, es ist atemberaubend! Wie ich sehe, bist Du medizinisch in besten Händen!“

Natürlich hoben ihre Worte seine Stimmung, aber andererseits hatte ihn sein Geldverdienst zu etwas werden lassen,was ihm bei einem launigen Besuch im lokalen Zoo vor einem Tigerareal während der Fütterung geradezu elektrisch bewußt geworden war. Er war hypermisstrauisch und vorsichtig geworden. Seit der letzten Begegnung im Hangar der Flugschule hatte es keine relevanten Veränderungen an ihm gegeben und ob sein Balletttraining und der Yoga-Unterricht seine Motorik tatsächlich bereits entscheidend feminisiert hatten, vermochte er nicht zu beurteilen. Anna bestellte Champagner und kleine Schnittchen mit Frischkäse, Kaviar und Lachs auf ihre Suite, die das Hotel für Flitterwöchner aber auch Geschäftsleute vorhielt, die sich abseits aller Verführungen der Stadt auf wichtige Termine vorbereiten, oder unerkannt ihre Affairen genießen wollten.

„Ich darf Dir erst einmal ausrichten, dass höchste Zufriedenheit mit Deiner Arbeit besteht! Ich händige Dir einen Anerkennungsbonus aus und darf Dir eine Anhebung Deines Honorars in Aussicht stellen. Daran geknüpft ist die Bitte, uns innerhalb der kommenden zwei Wochen, bedingt durch eine augenblicklich bestehende, gestiegene Nachfrage bis zu vier Exemplare, wie zuletzt zu liefern. Meinst Du, dass es möglich ist?“

Der Teufel war aus dem Sack und verursachte Dieter zunächst einmal einen leichten Grusel. Anna bemerkte es auf der Stelle und sah ihn offen an.

„Ist es soweit? Bekommst Du Skrupel?“

Als Selbstmörder hätte er sofort mit lautem „Ja!“ geantwortet.

„Sieh mal Anna, es freut mich, daß die letzte Lieferung so überzeugend war, aber: das war ein glücklicher Zufall! In jeder Hinsicht, bis hin zur perfekten Gelegenheit der Schächtung. Es wäre unredlich, dies in so kurzer Zeit für die erwünschte Stückzahl zuzusagen!“

Anna sah ihn direkt und lange an, fuhr ihm mir geradezu in die Seele. Schließlich nickte sie, nahm eine ihrer langen, aber vollkommen unparfümierten Filterzigaretten zwischen ihre dezent geschminkten Lippen, entzündete sie und sog den Rauch tief in ihre Lungenflügel. Sie bließ ihn wieder lang durch ihre Nase aus und bot Dieter an, sich von ihrer Packung zu bedienen. „Entschuldige, ich weiß, dass Du nicht rauchst. Ich bin in Gedanken. Gut, ich glaube, ich sollte Dich mit einem Helfer unterstützen, der die Schwerarbeit, die Spurenbeseitigung und den Transport übernimmt. Deine Aufgabe wäre die Auswahl, die Betäubung und die kundige Schächtung an einem sicheren Ort, für den der Helfer sorgt.“

„Meine Art der Betäubung wirkt nicht über ein, zwei Minuten hinaus. Chemie scheidet aus. Gelangt das Stück zu Bewußtsein und erkennt es seine Situation, beginnt die Ausschüttung von Stresshormonen und das war es mit der Qualität!“

Anna nickte.

„Duhast recht, mein Kind! Wie dumm von mir! Ich verstehe, Zeitdruck ist kontraproduktiv. Ich werde das vortragen, möchte Dich aber bitten, es zu versuchen.“

Dieter verstand vollständig den Ernst, den Sie ihm vermitteln wollte. Der versprochene Helfer traf bereits tags drauf ein, nahm Kontakt zu Dieter auf, hatte sich irgendwo in der Stadt eingemietet und war auf Abruf bereit.

Dieter hatte es sich zur Angewohnheit gemacht, nach dem Ballettunterricht oder der Yogastunde noch am Seeufer entlang zu joggen. Der Weg war asphaltiert, Weg und Ufer von Weiden und Rhododrendronbüschen gesäumt. Schon seit Tagen waren ihm zwei Männer aufgefallen, die auf den Bänken herumlungerten, telefonierten, und offensichtlich Fotos von Frauen machten, die hier spazierten oder joggten, wie er es tat. Als er schließlich die ersten Anmachsprüche bekam und einer der beiden begann, im Abstand hinter ihm her zu laufen und ihm dabei täglich näher kam, beschloss er zu handeln und bat seinen Helfer mit dem Wagen an der Strasse oberhalb des Weges an einer Stelle zuparken, an der er mit einem Übergriff rechnete. Dichte Rhododendronbüsche bildeten ein ziemliches Dickicht. Genau da packte ihn sein „Verehrer“, umschlang ihn mit beiden Armen, flüsterte ihm in gebrochenem Deutsch schmieriges Zeugs ins Ohr, das ihn wohl beruhigen sollte und drängte ihn ins Gebüsch. Dieter spürte am Po, dass der bereit und geladen war. Er seufzte und begann seinen Hintern gegen ihn zu drängen. Die Umschlingung lockerte sich. In dieser Sekunde waren Dieters Hände an seinem Hals und sein Griff ließ ihn zu Boden sinken. Zwei schnelle Schnitte und das Blut spritzte fingerdick aus den Schlagadern, während Dieter seinen Kopf in den weichen getorften Boden presste. Es war Abend und Nachtwolken zogen auf. Sein Helfer hatte den ausgebluteten Körper gerade in einen Plastikleichensack gepackt, als sich dumpfe Laufschritte näherten und eine Stimme einen Namen und eine Frage rief:

„Mutlu, Bruder, wo bist Du? Alles klar, Mann?“ Dieter stöhnte, wie bei einem Akt und ließ den Busch rascheln… „Ja, ja, ja… keuchte erwie irre vor Lust. Der Bursche brach ins Gebüsch und Dieters Griff ließ ihn verlässlich sofort zu Boden gehen. Während sein Helfer den ersten Sack bereits im Landrover verstaute, ließ Dieter den zweiten Kerl in aller Ruhe ausbluten indem er sogar dessen Beine in eine Astgabelung brachte. Als sein Helfer mit dem zweiten Sack kam, war auch dieses Exemplar beinahe völlig leer. Stan, wie sich Dieters Helfer nannte, war ein trockener, angenehm ruhiger und umsichtig aufmerksamer Mann, der ihm gefiel.

„Spring ins Wasser!“, sagte der, als Dieter schon in den Rover einsteigen wollte. „Du bist voller Blut und besser ist es, wir werden Deine Kleider und Wäsche auch gleich los! Ich hab noch einen Overall imWagen und ein paar alte Tennisschuhe. Dass die zu groß sind dürfte Dich nicht stören.“ Als sie das alte Industriegebiet streiften, hielt er an einem Schutthaufen, schmiss Dieters Sachen auf einen Haufen, goß aus dem Kanister Benzin drüber und warf ein Streichholz drauf.

Als sie den Flughafen erreicht hatten, der längst völlig verlassen,und offensichtlich heute auch von keinem Wachmann gesichert wurde, landete die doppelmotorige Cessna. Anna stieg aus mit einem neuen Piloten. Dieters Helfer öffnete die Säcke, sie prüfte im Schein einer hellen Handlampe, war zufrieden, nahm ihn in die Arme und agte: „Danke!“ Ihm und seinem Helfer übergab sie je ein Kuvert. Er und der Pilot verstauten die Säcke im Gepäckraum und zwei, dreiMinuten später hob die Cessna wieder ab.

„Du bist verdammt gut, Kleine!“, meinte Stan. In Afghanistan hatten wir einen Kundschafter, der für uns Wachposten oder deren Kundschafter mit dem Messer vom Hals schaffte. Diese Taliban haben unglaublich lästige Leute unter Waffen. Unser Mann war besser, aber Du, Du bist unglaublich!“

Als Dieter an diesem Abend im Bett lag, kreisten seine Gedanken noch lange um Stan. Er ahnte, dass daraus nie etwas werden konnte. Stan war zum einen, das fühlte er Meilen gegen den Wind, ein durch und durch auf Bio-Frauen festgelegter Mann, keiner, der das zwar glaubt, zu sein, aber bei passender Gelegenheit durchaus mal verbotene Früchte kostet. Das war okay, auch wenn´s für Dieter gar nicht ok war. Ganz deutlich war ihm jedoch, dass Anna noch nicht einmal ahnen durfte, wie er für Stan empfand. Wird es in normalen Unternehmen schon nicht gern gesehen, wenn es unter Mitarbeitern Affairen oder Beziehungen gibt, war das in dieser Firma notgedrungen einTabu und somit Anlass für eine Bereinigung wahrscheinlicher Risiken.

Nach dem Frühstück traf auf dem Messenger eine Botschaft von Stan ein, darin ein Link auf das Online-Angebot der Lokalzeitung. Es wurde von einem Vorfall am Gelände der Sportfakultät berichtet. Sportplätze,Wettkampfanlagen, Hallen und Seminargebäude lagen umzäunt inmitten eines Forstes, durch den eine etwa fünf Kilometer lange, öffentlich zugängige Wettkampfstrecke mit unterschiedlichsten Geländeschwierigkeiten angelegt war. In diesem Forst war eine Sportstudentin von einem südländisch aussehenden, etwa 20-30 Jahre alten Mann bedrängt und angegriffen worden. Da sie eine Topsportlerin und mehrfache Meisterin auf langen Distanzen war, konnte sie ihm mit Leichtigkeit entkommen. Stan holte mich von einem Treffpunkt ab, parkte dann den Rover auf dem zur Wettkampfstrecke gehörenden Parkplatz, markierte in altem Sportzeug und Umhängebeutel einen sportbewußten Midlifekrisen-Mann, der eher etwas spaziert oder auch mal walkt, vor allem aber Pausen einlegt. Im Umhängebeutel trug er den gefalteten Leichensack und Dieter hatte sich je ein Skalpell an jedem Unterschenkel befestigt. Er ging auf die Strecke, trug eine LED-Lampe am Stirnband und leuchtete damit den Weg vor sich aus. In kurzen Abständen kamen ihm Sportler der Uni entgegen. Einer meinte: „Mensch, Mädchen, komm mit uns mit, hast Du nicht gehört, dass hier so´n Perverser unterwegs ist?

Er bedankte sich und sagte:

„Da sind Leute mit ´nem Hund auf der Strecke.“

Sie winkten und sprinteten fort. Keine vierhundert Meter weiter, knackte es plötzlich seitlich hinter ihm, und er hörte einen Läufer. Er beschleunigte, stoppte unvermittelt und wandte sich um – zu seinem Glück, denn so konnte er dem niedersausenden Baseballschläger entgehen. Im Licht seiner Stirnlampe sah er das hassverzerrte mit schwarzem Vollbart gerahmte Gesicht eines arabisch wirkenden Mannes. Er schrie, als er den Versuch eines zweiten Angriffs unternahm. Diesmal aber stolperte er über eine Wurzel, die in den Weg gewachsen war. Der Baseballschläger entglitt ihm, er schlug mit der Stirn auf den Boden, verlor kurz das Bewusstsein und dann war Dieter auch schon auf ihm, setzte den Griff an, und er sank schlaff auf den Untergrund. Das Skalpell fuhr in seinen Hals, wie durch Butter und ließ das Blut aus seinen Schlagadern in zwei schwarzen Strömen abwärts ins Unterholz fließen. Es war inzwischen dunkel und Stan fand ihn mit einer Ortungs-App, die auf Dieters iPhone justiert war. Den Sack mit diesem, um das Vergnügen der Vergewaltigung einer ungläubigen Hure gebrachten frommen Orientalen über der Schulter trabte Stan hinter ihm her zum Parkplatz. Sie hatten gerade den Sack im Landrover abgelegt und Stan sich in ein Gebüsch gestellt, um sein Wasser abzuschlagen, als, wie aus dem Boden gewachsen ein Kerl neben Dieter stand, der ihm eine Pistole an die Stirn hielt, ihn gegen den Rover drückte, ihm die Trainingshose und den Slip herunterriß und ihm sein Ding, das er sich aus der Hose gefischt hatte gegen den Hinternn drängte, wo er plötzlich etwas spürte, das nicht zur Anatomie einer Frau gehört. Er stieß einen heftigen, unverständlichen Fluch in seiner Sprache aus, wodurch ihm in seiner Erregung Stan entging, der ihm die Waffe entriss und ihn mit einem schweren Schwinger zu Boden schickte. Stan band dem Bewußtlosen ein Seil um die Fußgelenke, hiefte ihn an der Dachreling hoch und Dieter machte seine Arbeit.

„Sieh Dir das an,“ meinte Stan, als er den zweiten Versager in einen Sack gepackt, neben den anderen gelegt hatte, dessen Gesicht freilegte und die Lampe darauf richtete,

„Denk Dir den Bart weg und Du erkennst, dass die beiden Brüder oder enge Verwandte waren.“

„Dann waren eben beide Schweinegeschwister! Das haben die nicht zum erstenmal versucht!“

„Okay, trotzdem müssen die schnell weg! Morgen wird ein heisser Tag. Es ist ja heute schon warm und wir haben keinen Kühlraum. Ich hab zwar gleich nach dem Ersten das Signal gegeben, aber sie werden ihre Zeit brauchen.“ An einer Tankstelle, die sie auf dem Weg zum Flughafen passierten, gab es Beutel mit gecrunchtem Eis. Sie kauften zwei Duzend, was den Typen in der Kassenbox zu der Bemerkung veranlaßte: „Mensch, da darf jetzt aber keiner mehr kommen, der nen Beutel will…“ Die Tankstelle war Video überwacht, aber was würde, wenn, schon zu sehen sein?“

Zweieinhalb Stunden später landete die Cessna, Anne schien, ihrer Kleidung nach, hastig einen gesellschaftlichen Anlass verlassen zu haben.

„Ich bin wirklich stolz auf Euch!“, sagte sie, nachdem sie die Stücke begutachtet hatte und sie der Kühlung wegen beglückwünschte. Sie überreichte jedem von ihnen, wie stets, ein Kuvert nachdem die Säcke verladen waren. Als die Lichter der Maschine hinter den dunklen Nachtwolken verschwunden waren, schlug Stan vor, dass sie sich ein Bier, einen Whisky oder zwei gönnen sollten. Das taten sie in derNähe seiner Pension. Dieter entschied sich dennoch für Champagner und sie feierten an einem Tisch in der hinteren Ecke der Kneipe, in der es munter herging.

„Der Rover muß weg!“, begann Stan, nachdem sie das erste Glas auf ihren Erfolg genommen hatten, „Ich habe mich schon mal umgehört und von einem Military-Markt in Belgien erfahren. Ich werde andere Nummernschilder anschrauben. Lass uns gleich morgen losfahren. Ist ein schöner Ausflug und diese Leute können jeden Wagen wegzaubern, so wie ein Pferd in den Mägen von Pirrhanas verschwindet, nur, dass Knochen übrig bleiben, vom Rover wird nichts übrig bleiben. Es macht mich nervös, zu lange mit dem selben Wagen unterwegs zu sein.“

Dieter gefielen Stans kräftigen Hände mit dieser ledernen gebräunten Haut. Er war ein paarmal versucht, nach einer zu greifen, um sie zu spüren. Ihre Blicke trafen sich. Stan nahm die Champagnerflasche aus dem Kühler und schenkte ihm ein. Er holte sich noch einen Seidel Bier und einen Whisky. Sie saßen dann eine ganze Weile schweigend nebeneinander und nippten an ihren Getränken. Es war schön, einfach einmal nur mit einem Menschen zusammen zu sitzen und schweigend mit ihm, den eigenen Gedanken nach zu gehen.


Pollerbrink

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Auffällig wurde Jochen Pollerbrink im Jahre des beginnenden Wahnsinns 1968! Mit einem Haufen „verlauster Affen“, wie seinerzeit langhaarige junge Männer in Jeans, Batikhemden, Amiparkas mit olivgrünen Armeeumhängetaschen und komischen Schlabberstiefeln genannt wurden, hatte er sich zu einer Sitzdemonstration (Sit-in) vor den Haupteingang des Rathauses gehockt und sich lautstark, ein Plakat schwingend, für die „Freiheit aller Gummibärchen“ eingesetzt, den Schlachtruf „Haribo-Haribo“ johlend skandiert. Zwei oder drei Polizeibeamte standen abwechselnd neben dem Häuflein, grinsten, bemühten sich immer dann um einen ernsten Gesichtsausdruck, wenn allerwichtigste Mitglieder von Stadtverwaltung und Stadtrat Unverständnis und Verärgerung äussernd an den Sitzenden Abstand suchend vorbei tänzelten, wie fürchtend, es könne tatsächlichetwas auf sie überspringen und sie infizieren.

„Kommt, Jungs, macht keinen Ärger, geht nachhause!“, PolizeihauptmeisterKnippschild, selbst Vater einer Bande verrückten Nachwuchses, ging freundlich und mit verhaltenem Nachdruck auf das junge Volk ein und war gerade dabei, die Spaßvögel zur Beendigung ihrer Demo und zumVerlassen der Fläche vor dem Ratshausportal zu bewegen, als ein Mannschaftswagen der Bereitschaftspolizei eintraf, sechzehn Uniformierte mit gezogenen Gummiknüppeln absprangen und gegen das, in Auflösung begriffene Häuflein vorgingen. Bürgermeister Kernbeck hatte sich, nach seiner Einschätzung der Lage und der der Mehrheit des Stadtrates veranlaßt gesehen, die Autorität der Stadt wieder herstellen zu lassen. Kurti Thymian, der kleine, geistig etwas zurückgebliebene Bruder eines der Teilnehmer der „Demo“ hatte den herbeieilenden Beamten noch sein Teddybärchen wie ein Friedenszeichen entgegengehalten, doch ein Steinwurf aus einer Gruppe abseits stehender Burschen, der den Tschako eines Polizisten traf, ließ die Situation eskalieren und der Teddybär löste sich unter der Wucht des Schlagstockes in seine Bestandteile auf. Kurti stand weinend da überdeckt mit Wollfäden und Holzwolle. Die „Verteidiger der Rechte der Gummibärchen“ wurden abgeführt und zwei sportliche Bereitschaftspolizisten übernahmen die Verfolgung der Steinewerfer, die durch die, ihnen geöffnete, Glastür ins Innere des Freizeitheims der sozialistischen Parteijugend verschwanden. Einem der Beamten waren die örtlichen Gegebenheiten geläufig, er spurtete um die Ecke des Gebäudes, Schreie waren zu hören und weitere Polizeibeamten stürmten heran. An der straff gedrehten Knebelkette führte der Beamte einen der Steinewerfer mit sich und übergab ihn einem Kollegen, der ihn zum Mannschaftswagen zerrte, wo ihm Handschellen angelegt wurden. Jochen Pollerbrink saß bereits ungefesselt auf der Holzbank im Inneren. Ihm war jeder Spaß und Ulk verlorengegangen. Er ahnte, dass die Steinwürfe der Leute, mit denen er und seine Freunde nicht die Bohne zu tun hatten, der ganzen blöden Aktion einen anderen Anstrich gegeben hatten.

Polizeihauptmeister Knippschild erklärte seinem Kollegen von der Bereitschaftspolizei, dass die Jungs sich vor dem Rathaus einen Spaß geleistet hätten, der schlimmstenfalls dumm aber keineswegs bösartig oder gar politisch zu verstehen gewesen sei.

„Dann hör Dir mal die Burschen von der sozialistischen Freizeiteinrichtung an! Die Sprüche, die die klopfen, klingen ganz anders, Kollege. Der Anwalt der Partei ist auch schon im Anmarsch und das ist eine ganz und gar unangenehme Nummer!“

„Die haben sich den Gummibärchen-Blödsinn der Burschen hier zum Anlass genommen, ihr Ding, Aufregung und Krawall zu machen.“, hielt Knippschild dagegen. Sein Kollege war ein ebenso verständiger Mann und nickte. Diese Hosenscheisser im Rathaus gingen ihm und den Kameraden gehörig auf die Nerven. Tatsache aber war und blieb, dass die sich den Bürgern als echte Macher und knallharte Vertreter von Bürgerinteressen, von Ruhe und Ordnung verkaufen wollten. Bei Langhaarigen setzte unter vielen Leuten spontane Schnappatmung ein.

„Es ist absolut notwendig, ein Fanal gegen den US-amerikanischen Kriegskapitalismus in Vietnam und überall auf der Welt zu setzen!“, stand morgens in dicken schwarzen Lettern über einem Foto das Pollerbrink und drei, vier Freunde vor dem Rathauseingang hockend zeigte. Im Inneren dann ein kleineres Foto, dass den Steinewerfer mit abgewandtem Gesicht zeigte, wie er an der Knebelkette abgeführt wurde. „Polizeigewalt gegen unbeteiligte, zufällig anwesende Jugendliche!“, beschwerte sich im nebenstehenden Text ein Rechtsanwalt, Dr.Gaetan Kehlhardt, der ernste rechtliche Schritte gegen Polizeiführung und Stadt ankündigte. Norbert Czimpanske, durch das Foto seiner Verhaftung zum Helden des lokalen Undergrounds und der linken Szene aufgestiegen, brüstete sich im „Progressive Shelter“ mit dem Steinwurf auf den „verschissenen Bullen“ und ließ sich von der geilen Kommunardin Lore Zardin einen Joint mit nassem Mundstück zwischen die Lippen schieben. Kurz darauf zog sieihn an der Hand hinter sich her zum rückseitigen Treppenaufgang, wo es sich schnell verschwinden ließ bei Bullenalarm. Sie lüftete ihren weiten Wollrock, zog ihren Po frei, lehnte sich gegen die Backsteinwand und hielt Norbert ihr Hinterteil entgegen. Als die Tür aufging und jemand ins Freie drängte, keifte sie schneidend: Ey, Arschloch, hier ficken Genossen für den Weltfrieden! Mach Dich weg oder willst´e Krieg?“

„Tut mir leid!“, kam es schüchtern zurück, die Tür fiel wieder ins Schloß, Norbert zog seine Jeans runter, nahm sein Ding in die Handund brachte es in Position. Lore warf sich dagegen, übernahm den Akt herrisch, wich seinen Versuchen, sie auf Wange, Nacken oder Mund zu küssen aus. „Nobbi, lass das Rumgebürgere sein, ich will Dich ficken und sonst nichts, glaubst Du, Du kriegst das hin?“ Norbert kam viel zu schnell aus lauter Panik, sie könnte sich ihm entziehen.

„Bist Du sicher, dass Du es warst, der den Stein auf den Drecksbullen geworfen hat?“, ließ sie giftig über ihre Lippen tropfen. Sie wandte sich ihm zu, sah ihn mit offenem Blick an, griff sich zwischen die Schenkel und schmierte ihm mit der Hand die Mischung ihrer Feuchtigkeit und seines Ergusses mit gespitzten Lippen ins Gesicht.

„Kein Zweifel, dass Du es warst! Nobbi, mein Held. Tut mir leid…“

„Na, geh mal wieder rein, Schatz!“, sagte sie dann und tätschelte ihm noch mit der klebrig nassen Hand die Wange. Als er brav und völlig irritiert in den herausströmenden Kneipenqualm trat, schob ihn „Che“ Dompskie, der Sprecher der Marxistischen Roten Aktionsbrigade zur Seite und drängte sich an ihm hinaus ins Freie.

„Was hast´e denn mit der Wurst angestellt?“, fragte er Lore, packte ihren Kopf zwischen seine schmalen aber kräftigen Hände und schob ihr seine Zunge in den Mund. Wenige Momente später drang er in sie ein und Lore schrie hemmungslos ihre Lust hinaus.

Pollerbeck´s Eltern wurden von Direktor Volland zum Gespräch gebeten.

„Sie werden verstehen, dass wir nach den Ereignissen, bei denen Ihr Sohn eine maßgebliche Rolle gespielt hat, sogar einer der Initiatoren war, ihn nicht weiter an unserer humanistischen Bildungseinrichtung dulden können! Unser Gymnasium ist in einer absolut degoutanten Weise in ein grelles öffentliches Licht gezerrt worden, dessen negativen Folgen noch gar nicht zu ermessen sind. Marlies Pollerbeck, Jochen´s Mutter wollte entschieden aufbegehren. Arthur Pollerbeckstand auf, legte seiner Frau den gesunden Arm um die Schultern und meinte: „Marli, lass es gut sein! Dieser Herr hat seinen Herren zu gut gedient, um mit geradem Rücken zu stehen und sich ein eigenesBild zu machen.“

Volland wollte aufbegehren, sprang von seinem Holzstuhl hoch. Der „Zeigefinger“ von Arthur´s mit schwarzem Leder bezogenem Handstück der Armprothese, wies Volland zurück.

„Sie wären bei uns, ganz vorne, möglicherweise ein brauchbarer Mensch geworden, Gauleiter, Volland!“ Der sackte mit flatternden Knien und ängstlich bleichem, hassverzerrtem Gesicht auf seinen Stuhl. Pollerbeck griff nun mit der unversehrten Hand in die Brusttasche seiner Anzugjacke, zog ein gefaltetes Blatt Papier hervor, schüttelte es, bis es sich geöffnet hatte und hielt es Volland in sicherem Abstand vor.

„Erkennen Sie das, Gauleiter? Ja, ich weiß, das tun Sie und noch viel mehr Leute werden Ihre Unterschrift neben dem Siegel wieder erkennen, und der Formel im Namen des Führers usw.usw.! Brauch ich Ihnen ja nicht zu sagen, Sie wissen doch, was da steht! Ich bin überzeugt, Volland, dass unser Sohn an diesem Gymnasium sein Abitur ohne schändliche Grätschen und Manipulationen, von wem auch immer, machen wird, so gut er es aus seiner Kraft heraus vermag. Stimmen wir da überein? Denken Sie darüber nach, aber ein Versprechen geb ich Ihnen: Ich mußte zehn Jahre mit Kakerlaken, Wanzen, Flöhen, Ratten leben, ich kenne jede Bewegung, jede Taktik dieses Geziefers und sollte ich Anlass haben, etwas erkennen zu müssen, was sich mir in all den Jahren eingeprägt hat, wird dieses Dokument und werden einige andere mit eidesstattlichen Erklärungen und belegbaren Unterschriften ihren Weg in die richtigen Hände finden! Ach ja,vorsorglich habe ich verfügt, dass ich bei gewaltsamem oder unnatürlichem Ableben dem Anwalt und Notar erlaube, alles was ich in dessen Hände gab der Öffentlichkeit zu übergeben. Ihr guter alter Freund Sturmbannführer Birkin sollte seine professionellen Künste unterdrücken, denn jedes Leid, das meiner Frau, meinem Sohn oder anderen Mitgliedern meiner Familie angetan wird, könnte für ihn zu einer Reise nach Israel führen, wo man gewiss ihn betreffende Dokumente zu schätzen weiß!

Jochen Pollerbrink brachte ein recht manierliches Abitur zustande und wandte sich dem Studium der Veterinärmedizin zu. Sein Vater erlag kurz darauf den Spätfolgen einer weiteren Kriegsverletzung. Er hinterließ Jochen ein Kuvert mit dem Namen und der Anschrift eines Rechtsanwaltes darin und einen an ihn adressierten Brief. „Wenn Du mal das Gefühl hast, einfach so, es sei an der Zeit, überbringe den Brief dem Anwalt!“, stand auf einer kurzen Notiz.

Zwanzig Jahre später begegnete Jochen auf einem Treffen der Ehemaligen seiner Schule auch einigen der anderen „Verteidiger der Freiheit für alle Gummibärchen“ wieder, insgesamt waren von allen drei Klassen aus denen sie sich rekrutiert hatten gerade einmal acht Leute gekommen und nur ein Lehrer, ausgerechnet Pater Wolfenson, ein trocken humoriger „Mönchskrieger des Herrn“, der dem Religionsunterricht in stetem freundschaftlichen Streit mit Herrn Buda, dem für die evangelische Religion zuständigen Lehrer Würze verliehen hatte. Herr Buda war das gothische Spiegelbild vonWolfensens Barock und beide zusammen das einleuchtende Vorbild gelingender Ökumene gewesen. „Ohne meinen Bruder im Herrn bin ich nur die Hälfte!“, sagte er, als er die Verwunderung seiner Schüler über seine ernste Verschlossenheit spürte. Er hatte Buda, der nach dem Tod seiner Ehefrau und beider Kinder durch einen Autounfall selbst unheilbar an Krebs erkrankte, über Monate als Seelsorger eines Hospizes begleitet, ihm die Augen geschlossen und ihn mit einer ökumenischen Zeremonie beerdigt.

Wolfensen wußte von den meisten der Lehrer, die sie unterrichtet hatten zu berichten und er schätzte besonders die heiteren Anekdoten, die er ihnen vortrug.

„Direktor Volland ist vor sechs Jahren etwa in großem Unfrieden mit sich und der Welt gestorben!“, erklärte Wolfensen und beendete die Beantwortung der an ihn, den ehemaligen Direktor betreffend, gerichteten Frage.

Dafür übernahm Dirk Korte:

„Der Geistliche, der ihm das letzte Sakrament spenden sollte, konnte es nicht verhindern, das er etwas schluckte, das er in seiner Hand gehalten hatte! Er schluckte, sprang aus dem Bett, riss den rechten Arm hoch und soll geschrien haben: „Heil, mein Führer und einziger Gott!“ dann hat es ihn zuckend zu Boden geschmissen!“

Wolfensen schüttelte missbilligend den Kopf und sprach dann ruhig mit der Geste des Segens:

„Der wahre, allmächtige und barmherzige Gott sei ihm gnädig! Soll er in Frieden ruhen!“

„Amen!“, sagte jemand der Anwesenden.

Irgendwie ging damit das Treffen zuende, das Seltsame aber war, dass alle den Wunsch mitnahmen, sich über kurz oder lang erneut zusammen zu finden.

Jochen hatte das klare Gefühl, verstanden zu haben. Er holte daheim das Kuvert seines Vaters, weitere Dokumente, Fotos, Negativbildstreifen und drei daumendick gerollte, seitlich gelochte Zelluloidstreifen aus dem Tresor im Keller, in dem er auch die Gifte und Wirkstoffe gesichert hielt, nachdem es bereits zweimal Einbrüche in seine Veterinärpraxis gegeben hatte. Jana, seine Frau hatte Dienst als Notärztin der Feuerwehr. Er machte Feuer im Kamin, bereitete sich einen Whisky mit einem Spritzer Wasser, stopfte sich seine Lieblingspfeife mit duftendem Tabak, paffte sie an, schob die Scheite zurecht, blickte einige Zeit in die Flammen, nahm den Whisky, kaute auf ihm, genoss den milden torfigen Geschmack, schluckte, stopfte den Tabak etwas nach, paffte die Pfeife, schnupperte dem süßlich, nach Pflaumen duftenden, bläulich grauen Qualm hinterher, nahm dasKuvert und das andere Material vom Sims und warf es ins Feuer, ein kurzes Aufflackern, Zischen und Lodern, und es war vorbei. Er verstand, warum Vater das selbst nie hatte tun können aber nun war diese Eisenkugel, die schwer an seiner Seele gehangen haben musste, als Rauch den Kamin hinauf gestiegen und im Schwarz der Nacht verschwunden. Die Gerechtigkeit, die Vater sich gewünscht hatte, war nicht in die Vergangenheit zu tragen und all seine Beweise wären nur ein Sandkörnchen in einem hohen Berg aus Sand. So aber war in den Flammen ein Stein aus einer Mauer aus Verbrechen, Hass, Rache und Leugnen verbrannt, schuf eine Lücke für das Licht, das in das Leben scheinen wollte!

Nachtrag:

„Alle tot, Elon!“, berichtete Jakoov Gilderman seinem Vorgesetzten.

“Verstorben, suicidiert, verunglückt; den einzigen, der von der Gruppe zuletzt noch von Interesse war und lebte, Sturmbannführer Helmfried Birkin, hat Leutnant Devora Kurtzweil von Yaron´s Einheit mit der Injektion wohl eher befreit als bestraft!“

„Diese Gnade hat er niemandem zuteil werden lassen!“, schloss Elon Maczkowiak, entließ Jakoov und übergab das vor ihm liegende Blatt Papier dem Reisswolf.


19 Koss – Sex and Drugs and Rock´n Roll

© hpkluge 2018

Unser Auftritt als Vorgruppe in Paris war ein Erfolg! Schon in der Garderobe wollte uns ein Agent unter Vertrag nehmen für ein Folgekonzert in Nimes. Er war ungehalten, als wir ihn baten, Kontakt mit unserem Manager aufzunehmen.

Rutger war am nächsten Morgen in unserem Hotel, wer sich weder meldete noch erschien, war besagter Agent. „Die Hauptgruppe war sauer, dass Ihr besser angekommen seid! Es wird keine  gemeinsamen Konzerte mit Euch Jungs mehr geben!“ Rutger hatte das von einem Roadie der Band geflüstert bekommen. „Macht nichts, Jungs,“ erklärte Rutger. „Veranstalter aus Nizza und Bordeaux haben angefragt. Sie wollen Euch jeweils drei Tage vor den anderen mit einer lokalen Truppe als Vorband bringen. Es hat sich herumgesprochen, was hier los war!“ Wir nahmen noch drei Autogrammstunden zur Promo unseres neuen Albums wahr, dann saßen wir im Flieger nach Nizza. Das Konzert sollte vorgezogen werden, da alle Karten verkauft waren und die Nachfrage ein zweites ermöglichte. Bei Soundcheck und Probe war mir eine äußerst attraktive junge Frau aufgefallen, die mich nicht aus den Augen ließ. Sie hieß Dolores, und ich nahm sie mit ins Hotel.

Helga unsere Toningenieurin fing mich später auf dem Weg von der Hotelbar zu den Toiletten ab. „Koss, laß die Finger von der Braut! Mit der stimmt was nicht!“, sagte sie mir ungewohnt eindringlich.Als sie meinen Blick sah, zuckte sie mit den Schultern.

„Ist Dir noch nicht aufgefallen, dass Du immer dann, wenn es gerade mal anfängt, gut zu laufen, irgendeinen Scheiß machst?“

Ich dachte mir mein Teil. Sie schüttelte den Kopf und ging die Treppen hoch. Wir hatten mal was miteinander gehabt, bis ich es wegen eines Ficks mit ihrer Freundin versaute. Ich war schon so angeschärft auf diese Dolores, dass ich zu keinem anderen Gedanken mehr fähig war.

Auf dem Zimmer gab sie mir erst einmal einen Blowjob, der mir meinen Restverstand wegfegte. Sie saugte und schluckte und dann, wollte ich sie nehmen. Als ich sah, dass da, wo ich eine schwarz behaarte Muschi erwartete, ein ziemlicher Schwanz ragte und ein Sack mit beachtlichen Hoden baumelte, war ich einen Moment lang geschockt, aber dann geil wie ein Kater, der ein rolliges Kätzchen wittert. Es war mein erster schwuler Sex und es war höllisch!. Nachdem ich Dolores bestiegen hatte, nahm sie-er mich vor und als ich dann erlebte, wie es ist, sich hinzugeben und der empfangende Teil zu sein, war ich mir sicher, das wieder erleben zu wollen.

Ich kam zu spät zum Frühstück, die anderen waren schon gegangen, um sich die Stadt anzuschauen. Helga saß in einer Ecke, trank Kaffee und las eine Zeitung. Ich ging mit meinem Tablett zu ihr und sie nickte. Ich setzte mich, begann zu essen, sie las weiter, blieb aber stumm.

„Was liest Du denn da, unterbrach ich die seltsame Stille.

Hier ist eine Kritik über das Pariser Konzert. Etwas hart für die anderen, sehr gut für Euch!“

Ich nahm einen Schluck Kaffee.

„Ist doch gut für uns alle!“, sagte ich. Helga sah mich direkt und offen mit einem milden Lächeln an.

„Koss, ich hab es Rutger schon gesagt: Ich steige aus. Um eins geht mein Flug und mein Ersatz trifft eben ein. Billboy, kennst ihn ja! Er ist gut und wird den Job bestens erledigen.“

Das haute mich um!

„Wieso?“, wollte ich wissen.

„Koss, glaub, was Du willst, aber erinnere Dich, was ich Dir gestern versucht habe klar zu machen! Es fängt an, gut zu laufen, alles stimmt und da schleppst Du diese Dolores an!“ Sie gab mir wieder diesen eigenartigen Blick.

„Wie ich sehe, hast Du gelernt, wie es in etwa ist, als Frau genommen zu werden. Freddy Mercury, Bowie und Jagger haben das auch genossen.“

Irgendwie hing ein „Aber“ in der Luft und, wie zum Teufel, konnte sie das wissen?

„Entschuldige bitte, aber ich werde Billboy in Empfang nehmen und mit ihm den aktuellen Stand am Equipment durchgehen. Wir werden uns nicht mehr sehen Koss! Ich wünsche Dir wirklich alles erdenklich Gute!“

Jetzt schmeckte mir das Essen nicht mehr! Ich fühlte mich beklommen, stand auf und rannte zum Zimmer. Ich brauchte Dolores, jetzt. Das Zimmer war leer, Ihre Kleider, ihre Reisetasche, alles war weg. Da war kein Zettel, keine Botschaft, nichts!

Ich traf die anderen in der Garderobe backstage.

„Hast Du eine Ahnung, was mit Helga passiert ist, dass sie die Biege macht? Hattet Ihr Euch vielleicht mal wieder in den Haaren?“

„Es hat mich beim Frühstück genauso kalt erwischt!“, entgegnete ich.

„Was hast Du denn mit dem Transenluder, das Du da angeschleppt hast? Sammelst Du Erfahrungen für neue Songs oder so?“, wollte „Leggins“ unser Drummer wissen.

Wieso hatten die anderen anscheinend sofort erkannt, was ich erst auf meinem Zimmer lernte?

Die beiden Konzerte waren super und Bordeaux wurde ein weiterer Erfolg.

Rutger hatte gute Nachrichten:

„Sony will mit uns über einen Vertrag reden. Sie übernehmen zunächst den Vertrieb unseres letzten Albums, haben die Rechte schon gekauft und planen eine Tour durch England für uns!“

Ich hatte gehofft, irgend ein Lebenszeichen von Dolores zu bekommen, dem war nicht so. Es zog mich runter aber es war, wie „Leggins“ es schon vermutet hatte: Da war Stoff für ein halbes Duzend neuer Songs, darunter eine Ballade, die unmittelbar nach dem Erscheinen durch die Decke ging.

In der Nacht nach der Verleihung der Goldenen Schallplatte, wurde ich plötzlich schweißgebadet wach und erschrak, denn ich hätte schwören können, Dolores vor meinem Bett auf und ab gehen zu sehen…Sie sah eigenartig aus, ihre Haut schien von feuchten, braunen Flecken übersät zu sein, Zähne fehlten in ihrem Mund, wie bei einer Greisin, die schwarzen Haare waren grau und dünn und fielen in Strähnen von ihrem Kopf, während sie auf und ab ging. Ich schrie der Erscheinung zu, sie solle verschwinden, statt dessen griff die sich zwischen die Beine, riss sich Penis und Hodensack ab und warf mir beides ins Gesicht! Der Gestank von Verwesung, der fürchterliche Ekel und die schleimige Feuchtigkeit, die mir über Wangen und Mund rann, ließ mich mit aller Heftigkeit in den Raum hinein übergeben.

„Dolores“ kehrte mir keifig lachend ihr Hinterteil zu, riß die Backen auseinander und aus dem Hintern kroch eine fette Made, deren Kopf sich zum Konterfeit meines Gesichts morphte. Ich brach zusammen, vor Ekel und Entsetzen bewußtlos.

Als die Nacht endete, ich Helligkeit um mich herum fühlte und meine Augen öffnete sah ich das lächelnde Gesicht einer Krankenschwester über mir schweben.

„Er ist wach!“, hörte ich, dann sah ich ein anderes Gesicht.

„Willkommen zurück im Leben, Monsieur! Wir dachten schon, dass Sie es nicht schaffen!“, sagte die Frauenstimme. Neben dem Bett, in dem ich lag, stand eine Ärztin. Ich erinnerte mich nicht in ein Krankenhaus eingeliefert worden zu sein. Bevor ich aber eine Frage stellen konnte, wurde es wieder Nacht.

„Hallo, Koss!“, hörte ich irgendwann Helga´s Stimme. Ich schlug die Augen auf und sah ihr Gesicht über mir.

„Wann, um alles in der Welt wirst Du endlich erwachsen? Wieder einmal Schwein gehabt! Du arbeitest wirklich mit aller Kraft daran, Deine Leben aufzubrauchen! Nach allem können es nicht mehr viele sein.“

„Was war denn? Ich erinnere mich an gar nichts. Wieso bin ich hier?“

„Genau das ist Dein Problem! Eigentlich meint das Schicksal es gut mit Dir, aber genau das erträgst Du nicht! Statt im Flugzeug nach England zu sitzen, um heute Abend in London Eure Tour anzufangen, liegst Du im Krankenhaus und Rutger verhandelt sich die Seele aus dem Leib, um Sony die Anullierung Eures Vertrags auszureden.“

Mir wurde schwindlig, ich begriff genau, was das nicht nur für mich be-deutete. Aber, was war denn passiert?

„Vodka, Crystal Meth, Extasy, Cannabis, das ist passiert, und dann hat Dir so ein Arschloch noch einen Trip untergejubelt. Sobald Du einigermaßen bei Sinnen bist, hat die Polizei noch ein paar Fragen an Dich! Zugedröhnt, wie Du warst, hast Du zwei minderjährige Mädels ins Hotelbett geschleppt! Das hat der Nacht-Manager den Flics gesteckt. Er habe es erst auf derAufnahme der Überwachungskameras entdeckt. Rutger hat einen Top-Anwalt für Dich verpflichtet. Wenn diese Sache durchsickert, Koss, dann seid Ihr nicht nur für Sony gestorben!“

„Hab ich… ?“

„Nein, wenigstens das hat nicht bei Deinem Selbstzerstörungsamoklauf geklappt! Die tödliche Mischung, die Du Dir eingeworfen hast, hat es verhindert. Alles, was funktionierte war, daß Du das Bett eingenässt hast! Die Mädchen sind echt liebe Landeier und deren Eltern ist selbst daran gelegen, dass alles unter Verschluß bleibt. Die Mädchen und ihre Familien wären in der Gegend, aus der sie kommen unten durch! Vom Hotelpersonal könnte durchaus jemand das Bedürfnis haben, Kapital aus seinen Beobachtungen zu schlagen. Das ist noch nicht geklärt, zumal Du ja für Deine liebenswürdige Art im Umgang mit Menschen bekannt bist.“

„Was ist mit Dolores?“, kam es mir über die Lippen, obschon ich wußte, dass ich damit das nächste Faß aufmachen würde.

Zu meiner Überraschung blieb Helga ruhig, brachte nur gelassen hervor: „Nichts, außer Dir, den Jungs und mir scheint sie keiner gesehen zu haben, geschweige zu kennen in Nizza, auch nicht im einschlägigen Milieu. Leggins hatte ein verwackeltes Foto von ihr mit dem Smartphone gemacht, hat es aber gelöscht, weil er meinte, dass sie da so einen komischen Blick drauf habe.

Die Befragung durch die Polizei lenkte der Anwalt ab und sagte den Beamten eine schriftliche Erklärung zu. Mit zwei Tagen Verspätung begann unsere Tour im UK. Der Erfolg besänftigte Sony, doch die entstandenen Kosten blieben auf uns lasten und fraßen unser aller Geld auf. Ich beteiligte die Jungs an meinem Anteil der Urheber-Tantiemen, die allmählich zu sprudeln begannen.

„Wir haben Familien und können es uns nicht leisten, für Deinen Scheiß unsere Rechnungen nicht bezahlen zu können!“, argumentierte Leggins. Ich verkniff mir zu sagen, dass sie ohne mich gar keinen Job hätten, bei dem mehr als in ihren Berufen reinkam. Nach der Tour kam ein
Live-Album raus, aber schon war da der Druck, ein neues Studioalbum zu machen. Ich war leer, ich schrieb nur bullshit, peinliche Texte und die anderen traten auch auf der Stelle. Mir wurde klar, dass wir eine talentierte Schulband, eine passable Amateurband gewesen waren, Kumpel, aber keine wirklichen Künstler, die sich gegenseitig inspirierten. Wenn ich nicht funktionierte, wie im Augenblick, welkte alles mehr oder weniger vor sich hin. In dieser Situation, war es ein Geniestreich unseres Trommlers, der den Knoten mit einem wirklich tollen Song durchschlug! Zum Text, den er geschrieben hatte, hatte er auf seiner alten Klampfe einen Riff gefunden, der uns augenblicklich mitriss. Der Song handelte von einem Freund, der sich vom magischen Blick einer Frau hatte verhexen lassen, die eigentlich ein Mann war! Im ersten Moment war ich sauer, aber „The evil look“ war ein Hammersong, besser und größer als ich es war. Die Jungs von Sony flippten aus, als die Verkaufszahlen der ersten Woche über ihre Displays huschten und dann locker noch einmal von den Downloads getoppt wurden. Das Album entstand dann wie von selbst und diesmal war ich es, der lediglich einen Song beisteuerte, eine Ballade, in der ich von einer Frau erzählte, die von einem Mann immer und immer wieder enttäuscht und betrogen worden war, ihn aber, als er am Abgrund stand nicht fallen ließ. „A woman, her Name is love“, nannte ich das Stück. Die Jungs nahmen die Melodie auf und zauberten auf ihre Art musikalisch ihre Zuneigung zu Helga hinein. Wenn wir mit „The evil look“, kämpferische Entschlossenheit, gegen üble Magie und herzlose Leidenschaft mit härtestem Rock peitschten, war die Ballade, ein Gänsehautappell für wahre, tiefe und warme Liebe. Für die Firma und auch für uns klingelte die Kasse und schon kam die Forderung auf Welttournee zugehen. In diesem Augenblick war es wieder einmal gut, Rutger als Manager zu haben, der den Managern klar machte, dass ein Strohfeuerhoch auflodert und heiß ist, aber nur Asche hinterläßt aus der sich kein Feuer mehr machen lässt. Jemand der über ihnen stand, kapierte, und brachte sie zur Raison. Dieser Jemand ordnete an, uns dosiert in Länder mit wichtigen Märkten zu schicken mit jeweils einem Monat Pause zwischen einem Block von maximal vier Konzerten. Ein weiteres Album solle erst in einem Jahr produziert werden. Angeregt durch eine LP mit irischer Musik, die ich auf einem Flohmarkt entdeckte, entschloß ich mich, das Land für ein paar Tage zu besuchen. Ich rief Helga an, wollte ihr vorschlagen, mich auf dieser Reise zu begleiten. Ich verband damit die Hoffnung, einen Anfang für eine neue Annäherung zu schaffen. Ich erreichte sie nicht und niemand schien zu wissen, wo sie sich gerade aufhielt oder wollte es mir nicht sagen.

„Ein Lied ist ein Lied und keine Liebe, nur eine Idee, eine schöne vielleicht tröstliche Vorstellung!“, hörte ich mich murmeln, als ich den Song von meinem Smartphone abspielen ließ. War es wirklich Helga, die ich meinte, oder war es Dolores? Ich wusste es nicht und da war diese Leere und mit ihr stieg diese Vision wieder hoch, die mich im Drogenrausch heimgesucht hatte. Die Bilder waren immer noch erschreckend, entsetzlich, und der Gestank hatte sich mir in die Nase eingebrannt. Wie kann man sich nach einem Menschen sehnen, an den derartige Bilder geknüpft sind, egal ob real oder eingebildet oder durch chemische Substanzen hervorgerufen? Mit dem Leihwagen war ich durch den Süden des grünen Landes gefahren, mit blinden Augen ohne den Zauber und die Schönheit dieses Stücks Erde wahrzunehmen. Ich hielt in gewisser Weise Ausschau nach etwas, das zu benennen ich nicht in der Lage war und dann rollte der der alte Citroen Dauphine, für den ich mich beim Verleih entschieden hatte auch schon wieder nach Dublin hinein. Als ich das Auto übergab war mir klar, dass da keine Erinnerung an die zurückliegenden Tage in mir war. Der Verleiher schien mich lesen zu können, stellte mir keine Frage, begann keinen freundlichem Smalltalk. Aus seinen Augen heraus legte sich etwas wie warmes Mitleid über mich, drang wie feiner Sommerregen durch meine Kleidung zur Haut und beinahe körperlich spürbar durch sie hindurch in mein Inneres. Er drückte mir den Flyer eines Pubs in die Hand, der für jeden Abend der Woche Livemusik einer traditionellen Band oder eines Musikers ankündigte. „Der Eintritt ist frei,die Veranstaltungen werden von einerWhisky-Destillerie aus dem Norden gesponsort.“ Er hatte eine Flasche Malt aus dem Portfolio der Brennerei unter der Ladentheke, die er hervor zauberte zusammen mit zwei geschliffenen, schweren Gläsern. Ronan, wie sich der freundliche Verleiher nannte, schenkte mir und sich großzügig zwei Finger breit von dem honigfarbenen und mild duftenden uisge beatha, Lebenswasser, ein. „Don´t wonder, this stuff is pure and holy magic, destilled by the fire of this countys soul!“ Nach dem dritten Glas konnte an dieser Aussage überhaupt kein Zweifel mehr bestehen. Er schloß sein Geschäft ab und wir ließen uns von der Magie zu eben jenem Pub tragen. Was da abging, läßt sich nur schwerlich in andere Worte fassen als: „Pack Dich zusammen, fahr hin und hinein ins Leben!“ Ronan stellte mich ein paar Leuten vor, aber Musik, Gesang, Tanz, Pints voll des braunen, cremigen Biers schufen eine eigene Wirklichkeit. Auf dem Weg von der Toilette rannte ich förmlich in eine sehr beleibte, bunt gekleidete und mit Goldmünzen dekorierte ältere Frau hinein, unzweifelhaft eine Zigeunerin. Bevor ich mich entschuldigen konnte, hatte sie mein linkes Handgelenk gegriffen und zog mich hinter sich her in einen kleinen Raum hinter der Gaststube. Ich hatte inzwischen einen Zustand der Seligkeit erreicht, der mich bereit sein ließ, zu sehen,wohin das führte. Mein Geld und meine Papiere waren sicher vor Zugriff in einem Leibgürtel.

Als erstes verlangte sie, daß ich uns Whisky und Guinness bestellen sollte. Während der gesamten Wartezeit musterte sie mich aufmerksam. Kaum, dass sie ihren Schnaps getrunken hatte, nahm sie den meinen, trank ihn aber nicht, sondern zerstäubte ihn zu einer Wolke, die sich wie ein Nebel auf mich senkte. Keine Ahnung, was sie daherbrabbelte zu Gesten, die ich als Abwehr interpretierte.

„Du wirst verfolgt, Junge, von etwas, dessen Namen ich nicht aussprechen mag. Es ist böse und es hat sich Dir bereits in unterschiedlicher Weise und Gestalt gezeigt. Es sucht Dich, denn Du bist ein schwacher Mann, Du bist schwach, weil Du Angst davor hast, stark zu sein und dann vielleicht erkennen zu müssen, dass Du es doch nicht bist – Du hast den Geschmack, die Verlockung erfahren, die Weichheit und Lust, Frau zu sein! Du bist aber ein Mann und dem Irrtum anzuhängen, es nicht zu sein, kann Dich nur ins Unglück stürzen, damit Du die Wahrheit erkennst. Etwas will Dich verderben, verhindern, daß Du die Wahrheit siehst. Du kennst die Wahrheit längst, und daher wird das, was Dich verfolgt, Dich nur um so heftiger angreifen! Etwas Gutes wacht über Dich, aber auch wenn Du nicht blind bist, Deine Augen sehen nicht das, was sichtbar ist, wie die Sonne und wenn, dann sind sie angestrengt damit, den Schatten der Sonne zu finden!“

Ihre Stimme klang, wie eine Stimme klingt, die sowohl von der Seele als auch vom Geist starker Getränke gelenkt wird. Ich legte einen Schein vor sie hin, zahlte die Getränke, denn ganz sicher wollte ich diesmal in dieser wundervollen Kneipe nicht untergehen. Sie ergriff meine Hand, langte mit der anderen in ihr üppiges Dekoletait, griff zwischen ihre Brüste, zog etwas hervor und drückte es mir in die Hand, die sie gegriffen hielt, stand auf, nachdem mein Schein zwischen ihren Brüsten versunken war und bahnte sich ihren Weg aus dem Pub. Als ich kurz darauf auf der Straße vor der Kneipe stand, war sie nicht mehr zu sehen, wahrscheinlich in einer der kleinen Seitengassen verschwunden. Ich steckte das, was sie mir gegeben hatte unbesehen in meine Hosentasche. Im Hotel zog ich es hervor. Es war ein Fetzen Papier in dem ein matt schimmernder, dunkler Stein an einer feinen Silberkette eingewickelt war. Auf dem Zettel war eine Botschaft notiert: „Lies die Zeitung!“ Das war alles sehr mysteriös, aber ich legte mir die Kette mit dem Stein um und steckte den Zettel ins Geldfach meiner Brieftasche. Um dreizehn Uhr betrat ich die Maschine der Ryanair Richtung Heimat. Nur etwa 20 Minuten später hob die Douglas ab. Es war ein turbulenter Flug angekündigt,was mich eher neugierig machte. Die Makrele zum Frühstück hätte ich nicht essen sollen, sie bereitete mir Schwierigkeit und ich hoffte, mich bald auf der Toilette von ihr lossagen zu können. Am Fenster glaubte ich eine Bewegung wahrzunehmen, aber für einen Vogel hatten wir bereits eine zu große Flughöhe erreicht. In dieser Sekunde sah ich mit aller Deutlichkeit Dolore´s lachendes Gesicht da draußen, wie sie ihre vollen Lippen zum Kußmund gegen die Scheibe presste und einen deutlichen Lippenstiftabdruck hinterließ. Ich war völlig durch den Wind, wie man so sagt, beängstigt, verwirrt und immer wieder wurde mein Blick von dem Abdruck auf der Aussenseite des Kabinenfensters angezogen. Nun wurden Turbulenzen spürbar. Das Klapptischchen vor mir klapperte sehr, also klappte ich es hoch und arretierte es. Mein Blick wurde so frei auf das Netz zu meinen Knien,in dem eine Tageszeitung offenbar von einem anderen Passagier hinterlassen worden war. Ich zog sie hervor, blätterte sie durch in der Hoffnung, einen interessanten Bericht zu finden. Das Foto, das auf Seite drei etwa ein Viertel des Blattes beanspruchte, ließ mir den Atem stocken: Da lächelte mir eine junge „Dolores“ entgegen, mit einem feinen Schnauzbart, aber kein Zweifel, das war Dolores undauch die drei kleinen Muttermale am linken oberen Wangenknochen sprachen dafür. Die zweite Abbildung, die die gleiche Person in einem mondänen Abendkleid zeigte, war klein und undeutlich, aber brauchbar. Es wurde berichtet:

„Proben einer vor zwanzig Jahren in einem unwegsamen Gelände der Provence entdeckten, vergrabenen Leiche, seien nun mittels modernster forensischer Untersuchungsmethoden zweifelsfrei als die des verschwundenen und vor etwa dreißig Jahren als vermisst gemeldeten Sebastien Rudolph identifiziert worden, der als Travestiekünstler nd Schauspielerin „Dolores Degalle“ zu beeindruckendem Ruhm gelangt war.“

Die Makrele war nun mein geringstes Problem.