Diesellokomotive

© hpkluge 2007

der gedanke kam mit der gewalt einer diesellokomotive
was hatten die denn erwartet?
dass wir das auch nicht erwarteten? gut, so war das auch,
was aber nichts daran änderte

wir wollten jeder eine diesellokomotive sein
wir wollten frei über alle schienen gleichzeitig rasen,
über brücken schnellen,
die noch gar nicht gebaut waren,
abheben, fliegen,
unser gipfelkreuz
auf dem regenbogen errichten
und alles mit lichterglanz
neuen bildern und farben bemalen
was grau war und gestern und gleichschritt und marsch

sie haben risse bekommen
es gleich von anfang an gemerkt
und das feuer aus
braungebrannten gehirnen eröffnet
krieg, ja das kannten sie noch
vom schreibtisch oder
anderen, sicheren bunkern aus
nein, sie waren weder dabei gewesen, noch hatten sie gewusst,
wie es in der scheisse, in rotz und blut gewesen war…

sie hatten sich lieber im speck verkrochen,
es immer besser gewusst,
nur gefressen und nichts gemacht,

ausser sich zu widersetzen,
mal was zu tun

wir wollten nur eine diesellokomotive sein

und über brücken, die noch gar nicht…

und schon kamen die lahmen,
die – die sich immer dranhängen
sich schwertun und so leicht daher reden,

den mund dazu bewegen, wie sie es sehen
und bremsen und kriechen und loben
und schön tun und wichtig nehmen, freundlich zu bedenken geben
und fördern und buntes zaumzeug verteilen, nur so aus spaß…ha haha…
und auf einmal die lok übernehmen

während die träumer noch tanzen und schon mal die gläser heben
auf das gipfelkreuz,
das sie auf dem regenbogen…

und dann sagten sie uns,
daß der diesel schmutz und eine schande sei und so blieb sie stehen,

die lokomotive
und die gewalt, ihre kraft, rostete
auf den alten schienen fest
der regenbogen zerfloss, wurde blass
wie nach zehntausend wäschen

der traum geriet zum verzweifelten warten, am nächsten wochenende
und im nächsten urlaub
noch besoffener zu sein
und sich besoffen die haut aufzureissen

an mauern
die um uns,

verrottete diesellokomotiven,
beamtet wurden und bürokratet
um uns schließlich
vernünftig zu entseelen
und uns auf den wagon
zur enthäutung

und ent-ver-wertung zu rollen…

…recycled…amen…hallelokomotiven…und tot!


Veröffentlicht von

hpkluge

Geboren Anfang der 1950iger Jahre, Volksschule, Realschule, konfessionelles Gymnasium, Studium englische Sprache, Literatur, Amerikanistik, Kunst. Abbruch des Studiums nach Auseinandersetzung mit Kunstdozenten und der Weigerung, sich für den Vorwurf dessen ständiger Abwesenheit und Nichterbringung seiner Aufgabe als Lehrender zu entschuldigen. Erste Gedichte, Kurzgeschichten und Liederexte, Songtexte für Solovorträge oder als Sänger einer Hardrockformation. Beteiligung an Gemeinschaftsausstellungen und Einzelausstellungen. Mitbegründer der Essener Künstlergruppe Stadtgas. Anstellung als Krankenpflegehelfer in der Psychiatrie des LVR in Essen. Heirat, Familiengründung. Wechsel in den Vertrieb, Projektmanager für Verwaltungseinrichtung und Innenausbau. Vertriebsleiter und Mitglied der Geschäftsleitung, Prokura, eines mittelständischen Herstellers. Selbstständiger Berater innerhalb der Branche und Personaltraining für Beratung, Verkauf und Dienstleistung in der Gesundheitsbranche. immer wieder sporadisch oder durchgängig künstlerisch tätig u.a. Mitglied einer Künstlergruppe in Westfalen. Nach einer Serie lebensbedrohlicher Erkrankungen Ausstieg aus dem Berufsleben und Rückbesinnung auf den Beginn und die brachliegenden, liegengelassenen Talente. Seit nunmehr etwa drei Jahren Arbeit an kurzen Kurzgeschichten "shortcutstories" ©, Prosagedichten (Poemen) und lyrischen Arbeiten in deutscher und englischer Sprache.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.