Fleisch

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Dieter hatte sich geduscht, mit duftiger Lotion eingerieben, die Nägel gefeilt und mit klarem Nagellack zum Glänzen gebracht. Er hatte nicht wirklich schöne Haare, aber sie waren lang und außerdem hatte er nicht vor, den Traummann zu faszinieren. Seine Brüste hatten inzwischen das Maß einer Handvoll erreicht, seine Haut war samtig geworden und er hatte jedwede überflüssige Behaarung entfernt. Er entschloss sich, die neue schwarze Unterwäsche anzuziehen, die er sich gestern erst in der Stadt gekauft hatte. Ein schöner Frühlingstag ist immer auch Inspiration. Er wählte einfigurbetonendes wadenlanges Kleid mit gerade genug Dekoltait und einem gedeckten floralem Muster. Zierliche Sandalen brachten seine schönen Füße zur Geltung und die gehäkelte Umhängetasche mit einem Buch, einem Collegeblock und einem Etui für Stifte wiesen ihn als Studentin der nahe gelegenen Universität aus. An der Landstraße angekommen hatte er Glück. Gleich der erste Wagen, der auf seinen ausgestreckten Daumen und das Poschwingen reagierte, hatte einen vielversprechenden Fahrer. Brauner südländischer Typ, mit schwarzbraunen Augen, die sofort begannen, ihn zu verschlingen. Er hatte diese Antenne, die nur bedeuten konnte, dass er Mädchen wie Dieter, anderen bevorzugte. Dieters Erregung, die als kleines Zelt über seinem Schoß sichtbar wurde, gab ihm die erhoffte Bestätigung. Als der Abzweig in einen Forstweg kam, bog er ein. Wenige hundert Meter später hielt er an einer Stelle an, wo der Weg von dichten Büschen gedeckt uneinsehbar war. Sie stiegen aus, Dieter ließ das Kleid im Wagen, der Fahrer kam auf ihn zu, umarmte und küsste ihn mit atemberaubender Leidenschaft. Er ließ seine Hosen hinunter und drängte sein hartes Glied gegen Dieters. Als der beide Glieder umgriff, rieb und knetete, wäre es dem Burschen um ein Haar schon gekommen, was Dieter mit einem „ungeschickten“ Druck seiner Nägeln in den Schaft dessen Gliedes verhinderte. Als der ihn wieder gegen sich presste und ihm die Zunge in den Mund schob, setzte Dieter den „griechischen“ Griff an, der die Blutzufuhr zum Gehirn drastisch unterbricht. Der Kavallier ging seufzend in die Knie. Dieter verstärkte den Griff und er sank bewußtlos zu Boden. Schnell holte Dieter das Messer aus der Tasche am Rücksitz, öffnete ihm beide Halsschlagadern und zog ihn zum Wegrand. Dahinter war ein Drainagegraben und die Abschüssigkeit vom Weg abwärts kam der Ausblutung entgegen. Während das Opfer so dalag und hin und wieder noch ein leichtes Zucken zu sehen war, bereitete Dieter den Kofferraum dessen Wagens mit einer festen Plane vor, die der zufällig praktischerweise mit sich geführt hatte. Nach einer knappen halben Stunde war er bereit und Dieter packte ihn mit aller Kraft in den Kofferraum. Er säuberte sich von einigen Blutspritzern und der Erde an den Füßen und zuletzt auch das Messer mit dem Mineralwasser aus der kleinen Flasche, die er ebenfalls in seiner Umhängetasche dabei hatte. Danach zog er das Kleid wieder an, legte etwas Lippenstift auf und setzte sich ans Steuer. Er war gerade auf die Landstrasse eingebogen, als er im Rückspiegel sah, wie ein grüner Geländewagen in den Weg einbog. In diesem Moment begann sein Herz heftig zuklopfen. Was hatte er da für ein Glück gehabt!

Eine halbe Stunde später war er am Sportflughafen, fuhr in den Hangar der Flugschule. Wie immer war seine Auftraggeberin selbst gekommen, um die Ware in Augenschein zu nehmen.

„Sehr gut, Dieter! Du hast wirklich einen guten Blick!“, sagte sie. Reichte ihm ein Kuvert, das er ungeöffnet entgegennahm, während zwei kräftige Burschen in Overalls, seine Lieferung samt Folie in den Laderaum einer zweimotorigen Cessna packten. Seine Auftraggeberinb verabschiedete sich von ihm, stieg in die Maschine, aus der ein unscheinbarer alter Kerl in blauer Handwerkermontur ausstieg. Er fuhrDieter in die Stadt und den Wagen dann irgendwohin.

Dieters Arzt empfing ihn wie immer hocherfreut, denn mit ihm kam bares Geld, von dem niemand sonst etwas erfuhr. Dieter zahlte die zurückliegenden Monate einschließlich der Hormonbehandlung und teilte ihm mit, daß er sich gegen Brustimplantate und Aufspritzungen entschieden hätte. Der Arzt hörte das nicht gern, aber andererseits war Dieter immer noch eine lukrative Baustelle und ein pünktlicher Barzahler. Seine jüngste Ehefrau arbeitete seit kurzem in seiner Praxis mit. Sie war Dieter sofort aufgefallen, denn sie entsprach einigen Anforderungen, die ihm seine Auftraggeberin unter einer Reihe anderer genannt hatte. Leider kam sie nicht infrage, nachdem er ein Getuschel unter den Angestellten mitbekommen hatte, dass sie Kokain und Marihuana sehr zugetan sei und zudem seit kurzem dieser Laster wegen verhüte.

„Ich kann diese Transe nicht ab, Anna!“, meinte einer der beiden Männer in der Cessna. Die Angesprochene lächelte ernst.

„Dein Job ist es, diese Maschine zu fliegen, mein Bester! Meine Aufgabe ist es, beste Qualität für die Küchenchefs unserer Restaurants zu liefern! Dieses werdende Mädel hat schon mehr gute Ware beschafft, als ihr Vorgänger. Ich habe das Gefühl, Cedrik, die Kleine gefällt Dir mehr, als Du es Dir zugeben magst. Wo sagtest Du, bist Du zur Schule gegangen? In Eton?“ Der zweite Mann kicherte leise in sich hinein.

Roderik war sehr zufrieden, nachdem er die Lieferung geprüft hatte. „Davon könnte ich Woche für Woche zwei bis drei Stück gebrauchen!“, sagte er und zwei seiner Mitarbeiter schafften sie in einen Nebenraum zur Verarbeitung.

„Im Augenblick bin ich auch knapp an gutem Burgermaterial,“ sagte er und sein Blick glitt kurz zu Anna´s Begleitern.

„Der eine ist mein Pilot, den kann ich Dir nicht überlassen!“, entgegnete sie leise.

„Kein Problem, Darling! Ich kenne da einen Burschen, dessen Dienstzeit bei der Royal Airforce abgelaufen ist und der noch keine Lust hat, Golf im Veteranenclub zu spielen. Der ist cool, der fliegt alles, hat für beinahe alles eine Lizenz und wäre sofort zu kriegen!“

„Okay, Rod, wenn Du so sicher bist, stell ihn mir vor!“

„Darling, versteh mich nicht falsch, aber ich stehe unter gewissem Druck! Ich verbürge mich persönlich für diesen Mann!“, meinte Roderick.

„Du weißt, welches Risiko Du von mir verlangst!“

Rod nickte und Anna ergriff seine dargebotene Hand. Auf seinen Wink hin, nahmen sich die beiden Mitarbeiter Anna´s Piloten und des zweiten Mannes an, schleiften die Bewußtlosen in den Raum und wenige Augenblicke später hingen sie bereits nackt an Haken und  ihr Blut lief in eine Auffangwanne.

Irritiert zog sich Anna eilig in einen offen stehenden Raum zurück, als drei Sanitäter durch die Eingangstür gerannt kamen, jeder mit zwei Kühlboxen. Roderik wies sie in Richtung des Verarbeitungsraumes, kurze Zeit später kamen sie wieder heraus und verließen den Trakt durch den Eingang. Dann blitzte Signallicht auf, Sirenen pfiffen und quietschende Autoreifen begleiteten den Alarmstart.

Roderik trat Anna entgegen und erklärte:

„Bei Burgerexemplaren verwenden wir nur das reine Muskelfleisch, für die Innereien und anderes haben wir keine Verwendung, aber einige Kliniken, die Organtransplantationen vornehmen. Ich war so frei Einblick in die medizinischen Akten Deiner ehemaligen Mitarbeiter zunehmen, ich leitete die weiter und bekam Interesse angemeldet. Schau mich nicht so an, Anna! Diese Geschäfte wurden ganz oben entwickelt und in die Wege geleitet. Du wirst hübsch die Füße ruhig halten, Darling. Auf diese Geschäfte gibt es weder für mich, noch für Dich einen Bonus und wenn Du nicht willst, dass wir beide als Hundefutter enden, dann vergiß es ganz schnell!“

Anna war einigermaßen überrascht, hatte aber vollkommen verstanden.

„Meinst Du, Dein Ladyboy kann uns für die kommenden, sagen wir mal, zwei Wochen“ weitere zwei bis vier Stück dieser gelieferten Qualität klar machen? Keine weiblichen Exemplare bitte, es sei er könnte zusichern, dass da keine chemischen Verhütungsmittel, Abnehmpräparate, Medikamente oder Drogen im Spiel waren. Du weist, wie sehr das den Geschmack und die Zubereitung zunichte und unser Risiko unkalkulierbar macht!“

„Ich werd mit ihm reden. Er ist längst ein echter Experte und außerdem so intelligent, sich bei mir im Zweifel zu melden, um Rat zu holen.Es war eine sehr visionäre Entscheidung, diesen Jungen bereits so früh als Mädchen zu erziehen. Es ist erstaunlich, wie sehr er in dieser Ambivalenz auf exakt das von uns benötigte Material wirkt!“

Rod nickte.

„Ist kein Zufall, dass unsere Häuser die führenden Adressen für die Kenner und Genießer unserer Delikatessen sind!“

Als Dieters Auftraggeberin ihn zu einem Treffen in ein kleines Landhotel bat, war ihm klar, dass der Anlaß von besonderer Art sein mußte, denn sein verschlüsselter Austausch mit ihr über den speziellenMessenger funktionierte bestens.

„Dieter, mein Schatz, Du bist zu einer derart attraktiven jungen Dame geworden, es ist atemberaubend! Wie ich sehe, bist Du medizinisch in besten Händen!“

Natürlich hoben ihre Worte seine Stimmung, aber andererseits hatte ihn sein Geldverdienst zu etwas werden lassen,was ihm bei einem launigen Besuch im lokalen Zoo vor einem Tigerareal während der Fütterung geradezu elektrisch bewußt geworden war. Er war hypermisstrauisch und vorsichtig geworden. Seit der letzten Begegnung im Hangar der Flugschule hatte es keine relevanten Veränderungen an ihm gegeben und ob sein Balletttraining und der Yoga-Unterricht seine Motorik tatsächlich bereits entscheidend feminisiert hatten, vermochte er nicht zu beurteilen. Anna bestellte Champagner und kleine Schnittchen mit Frischkäse, Kaviar und Lachs auf ihre Suite, die das Hotel für Flitterwöchner aber auch Geschäftsleute vorhielt, die sich abseits aller Verführungen der Stadt auf wichtige Termine vorbereiten, oder unerkannt ihre Affairen genießen wollten.

„Ich darf Dir erst einmal ausrichten, dass höchste Zufriedenheit mit Deiner Arbeit besteht! Ich händige Dir einen Anerkennungsbonus aus und darf Dir eine Anhebung Deines Honorars in Aussicht stellen. Daran geknüpft ist die Bitte, uns innerhalb der kommenden zwei Wochen, bedingt durch eine augenblicklich bestehende, gestiegene Nachfrage bis zu vier Exemplare, wie zuletzt zu liefern. Meinst Du, dass es möglich ist?“

Der Teufel war aus dem Sack und verursachte Dieter zunächst einmal einen leichten Grusel. Anna bemerkte es auf der Stelle und sah ihn offen an.

„Ist es soweit? Bekommst Du Skrupel?“

Als Selbstmörder hätte er sofort mit lautem „Ja!“ geantwortet.

„Sieh mal Anna, es freut mich, daß die letzte Lieferung so überzeugend war, aber: das war ein glücklicher Zufall! In jeder Hinsicht, bis hin zur perfekten Gelegenheit der Schächtung. Es wäre unredlich, dies in so kurzer Zeit für die erwünschte Stückzahl zuzusagen!“

Anna sah ihn direkt und lange an, fuhr ihm mir geradezu in die Seele. Schließlich nickte sie, nahm eine ihrer langen, aber vollkommen unparfümierten Filterzigaretten zwischen ihre dezent geschminkten Lippen, entzündete sie und sog den Rauch tief in ihre Lungenflügel. Sie bließ ihn wieder lang durch ihre Nase aus und bot Dieter an, sich von ihrer Packung zu bedienen. „Entschuldige, ich weiß, dass Du nicht rauchst. Ich bin in Gedanken. Gut, ich glaube, ich sollte Dich mit einem Helfer unterstützen, der die Schwerarbeit, die Spurenbeseitigung und den Transport übernimmt. Deine Aufgabe wäre die Auswahl, die Betäubung und die kundige Schächtung an einem sicheren Ort, für den der Helfer sorgt.“

„Meine Art der Betäubung wirkt nicht über ein, zwei Minuten hinaus. Chemie scheidet aus. Gelangt das Stück zu Bewußtsein und erkennt es seine Situation, beginnt die Ausschüttung von Stresshormonen und das war es mit der Qualität!“

Anna nickte.

„Duhast recht, mein Kind! Wie dumm von mir! Ich verstehe, Zeitdruck ist kontraproduktiv. Ich werde das vortragen, möchte Dich aber bitten, es zu versuchen.“

Dieter verstand vollständig den Ernst, den Sie ihm vermitteln wollte. Der versprochene Helfer traf bereits tags drauf ein, nahm Kontakt zu Dieter auf, hatte sich irgendwo in der Stadt eingemietet und war auf Abruf bereit.

Dieter hatte es sich zur Angewohnheit gemacht, nach dem Ballettunterricht oder der Yogastunde noch am Seeufer entlang zu joggen. Der Weg war asphaltiert, Weg und Ufer von Weiden und Rhododrendronbüschen gesäumt. Schon seit Tagen waren ihm zwei Männer aufgefallen, die auf den Bänken herumlungerten, telefonierten, und offensichtlich Fotos von Frauen machten, die hier spazierten oder joggten, wie er es tat. Als er schließlich die ersten Anmachsprüche bekam und einer der beiden begann, im Abstand hinter ihm her zu laufen und ihm dabei täglich näher kam, beschloss er zu handeln und bat seinen Helfer mit dem Wagen an der Strasse oberhalb des Weges an einer Stelle zuparken, an der er mit einem Übergriff rechnete. Dichte Rhododendronbüsche bildeten ein ziemliches Dickicht. Genau da packte ihn sein „Verehrer“, umschlang ihn mit beiden Armen, flüsterte ihm in gebrochenem Deutsch schmieriges Zeugs ins Ohr, das ihn wohl beruhigen sollte und drängte ihn ins Gebüsch. Dieter spürte am Po, dass der bereit und geladen war. Er seufzte und begann seinen Hintern gegen ihn zu drängen. Die Umschlingung lockerte sich. In dieser Sekunde waren Dieters Hände an seinem Hals und sein Griff ließ ihn zu Boden sinken. Zwei schnelle Schnitte und das Blut spritzte fingerdick aus den Schlagadern, während Dieter seinen Kopf in den weichen getorften Boden presste. Es war Abend und Nachtwolken zogen auf. Sein Helfer hatte den ausgebluteten Körper gerade in einen Plastikleichensack gepackt, als sich dumpfe Laufschritte näherten und eine Stimme einen Namen und eine Frage rief:

„Mutlu, Bruder, wo bist Du? Alles klar, Mann?“ Dieter stöhnte, wie bei einem Akt und ließ den Busch rascheln… „Ja, ja, ja… keuchte erwie irre vor Lust. Der Bursche brach ins Gebüsch und Dieters Griff ließ ihn verlässlich sofort zu Boden gehen. Während sein Helfer den ersten Sack bereits im Landrover verstaute, ließ Dieter den zweiten Kerl in aller Ruhe ausbluten indem er sogar dessen Beine in eine Astgabelung brachte. Als sein Helfer mit dem zweiten Sack kam, war auch dieses Exemplar beinahe völlig leer. Stan, wie sich Dieters Helfer nannte, war ein trockener, angenehm ruhiger und umsichtig aufmerksamer Mann, der ihm gefiel.

„Spring ins Wasser!“, sagte der, als Dieter schon in den Rover einsteigen wollte. „Du bist voller Blut und besser ist es, wir werden Deine Kleider und Wäsche auch gleich los! Ich hab noch einen Overall imWagen und ein paar alte Tennisschuhe. Dass die zu groß sind dürfte Dich nicht stören.“ Als sie das alte Industriegebiet streiften, hielt er an einem Schutthaufen, schmiss Dieters Sachen auf einen Haufen, goß aus dem Kanister Benzin drüber und warf ein Streichholz drauf.

Als sie den Flughafen erreicht hatten, der längst völlig verlassen,und offensichtlich heute auch von keinem Wachmann gesichert wurde, landete die doppelmotorige Cessna. Anna stieg aus mit einem neuen Piloten. Dieters Helfer öffnete die Säcke, sie prüfte im Schein einer hellen Handlampe, war zufrieden, nahm ihn in die Arme und agte: „Danke!“ Ihm und seinem Helfer übergab sie je ein Kuvert. Er und der Pilot verstauten die Säcke im Gepäckraum und zwei, dreiMinuten später hob die Cessna wieder ab.

„Du bist verdammt gut, Kleine!“, meinte Stan. In Afghanistan hatten wir einen Kundschafter, der für uns Wachposten oder deren Kundschafter mit dem Messer vom Hals schaffte. Diese Taliban haben unglaublich lästige Leute unter Waffen. Unser Mann war besser, aber Du, Du bist unglaublich!“

Als Dieter an diesem Abend im Bett lag, kreisten seine Gedanken noch lange um Stan. Er ahnte, dass daraus nie etwas werden konnte. Stan war zum einen, das fühlte er Meilen gegen den Wind, ein durch und durch auf Bio-Frauen festgelegter Mann, keiner, der das zwar glaubt, zu sein, aber bei passender Gelegenheit durchaus mal verbotene Früchte kostet. Das war okay, auch wenn´s für Dieter gar nicht ok war. Ganz deutlich war ihm jedoch, dass Anna noch nicht einmal ahnen durfte, wie er für Stan empfand. Wird es in normalen Unternehmen schon nicht gern gesehen, wenn es unter Mitarbeitern Affairen oder Beziehungen gibt, war das in dieser Firma notgedrungen einTabu und somit Anlass für eine Bereinigung wahrscheinlicher Risiken.

Nach dem Frühstück traf auf dem Messenger eine Botschaft von Stan ein, darin ein Link auf das Online-Angebot der Lokalzeitung. Es wurde von einem Vorfall am Gelände der Sportfakultät berichtet. Sportplätze,Wettkampfanlagen, Hallen und Seminargebäude lagen umzäunt inmitten eines Forstes, durch den eine etwa fünf Kilometer lange, öffentlich zugängige Wettkampfstrecke mit unterschiedlichsten Geländeschwierigkeiten angelegt war. In diesem Forst war eine Sportstudentin von einem südländisch aussehenden, etwa 20-30 Jahre alten Mann bedrängt und angegriffen worden. Da sie eine Topsportlerin und mehrfache Meisterin auf langen Distanzen war, konnte sie ihm mit Leichtigkeit entkommen. Stan holte mich von einem Treffpunkt ab, parkte dann den Rover auf dem zur Wettkampfstrecke gehörenden Parkplatz, markierte in altem Sportzeug und Umhängebeutel einen sportbewußten Midlifekrisen-Mann, der eher etwas spaziert oder auch mal walkt, vor allem aber Pausen einlegt. Im Umhängebeutel trug er den gefalteten Leichensack und Dieter hatte sich je ein Skalpell an jedem Unterschenkel befestigt. Er ging auf die Strecke, trug eine LED-Lampe am Stirnband und leuchtete damit den Weg vor sich aus. In kurzen Abständen kamen ihm Sportler der Uni entgegen. Einer meinte: „Mensch, Mädchen, komm mit uns mit, hast Du nicht gehört, dass hier so´n Perverser unterwegs ist?

Er bedankte sich und sagte:

„Da sind Leute mit ´nem Hund auf der Strecke.“

Sie winkten und sprinteten fort. Keine vierhundert Meter weiter, knackte es plötzlich seitlich hinter ihm, und er hörte einen Läufer. Er beschleunigte, stoppte unvermittelt und wandte sich um – zu seinem Glück, denn so konnte er dem niedersausenden Baseballschläger entgehen. Im Licht seiner Stirnlampe sah er das hassverzerrte mit schwarzem Vollbart gerahmte Gesicht eines arabisch wirkenden Mannes. Er schrie, als er den Versuch eines zweiten Angriffs unternahm. Diesmal aber stolperte er über eine Wurzel, die in den Weg gewachsen war. Der Baseballschläger entglitt ihm, er schlug mit der Stirn auf den Boden, verlor kurz das Bewusstsein und dann war Dieter auch schon auf ihm, setzte den Griff an, und er sank schlaff auf den Untergrund. Das Skalpell fuhr in seinen Hals, wie durch Butter und ließ das Blut aus seinen Schlagadern in zwei schwarzen Strömen abwärts ins Unterholz fließen. Es war inzwischen dunkel und Stan fand ihn mit einer Ortungs-App, die auf Dieters iPhone justiert war. Den Sack mit diesem, um das Vergnügen der Vergewaltigung einer ungläubigen Hure gebrachten frommen Orientalen über der Schulter trabte Stan hinter ihm her zum Parkplatz. Sie hatten gerade den Sack im Landrover abgelegt und Stan sich in ein Gebüsch gestellt, um sein Wasser abzuschlagen, als, wie aus dem Boden gewachsen ein Kerl neben Dieter stand, der ihm eine Pistole an die Stirn hielt, ihn gegen den Rover drückte, ihm die Trainingshose und den Slip herunterriß und ihm sein Ding, das er sich aus der Hose gefischt hatte gegen den Hinternn drängte, wo er plötzlich etwas spürte, das nicht zur Anatomie einer Frau gehört. Er stieß einen heftigen, unverständlichen Fluch in seiner Sprache aus, wodurch ihm in seiner Erregung Stan entging, der ihm die Waffe entriss und ihn mit einem schweren Schwinger zu Boden schickte. Stan band dem Bewußtlosen ein Seil um die Fußgelenke, hiefte ihn an der Dachreling hoch und Dieter machte seine Arbeit.

„Sieh Dir das an,“ meinte Stan, als er den zweiten Versager in einen Sack gepackt, neben den anderen gelegt hatte, dessen Gesicht freilegte und die Lampe darauf richtete,

„Denk Dir den Bart weg und Du erkennst, dass die beiden Brüder oder enge Verwandte waren.“

„Dann waren eben beide Schweinegeschwister! Das haben die nicht zum erstenmal versucht!“

„Okay, trotzdem müssen die schnell weg! Morgen wird ein heisser Tag. Es ist ja heute schon warm und wir haben keinen Kühlraum. Ich hab zwar gleich nach dem Ersten das Signal gegeben, aber sie werden ihre Zeit brauchen.“ An einer Tankstelle, die sie auf dem Weg zum Flughafen passierten, gab es Beutel mit gecrunchtem Eis. Sie kauften zwei Duzend, was den Typen in der Kassenbox zu der Bemerkung veranlaßte: „Mensch, da darf jetzt aber keiner mehr kommen, der nen Beutel will…“ Die Tankstelle war Video überwacht, aber was würde, wenn, schon zu sehen sein?“

Zweieinhalb Stunden später landete die Cessna, Anne schien, ihrer Kleidung nach, hastig einen gesellschaftlichen Anlass verlassen zu haben.

„Ich bin wirklich stolz auf Euch!“, sagte sie, nachdem sie die Stücke begutachtet hatte und sie der Kühlung wegen beglückwünschte. Sie überreichte jedem von ihnen, wie stets, ein Kuvert nachdem die Säcke verladen waren. Als die Lichter der Maschine hinter den dunklen Nachtwolken verschwunden waren, schlug Stan vor, dass sie sich ein Bier, einen Whisky oder zwei gönnen sollten. Das taten sie in derNähe seiner Pension. Dieter entschied sich dennoch für Champagner und sie feierten an einem Tisch in der hinteren Ecke der Kneipe, in der es munter herging.

„Der Rover muß weg!“, begann Stan, nachdem sie das erste Glas auf ihren Erfolg genommen hatten, „Ich habe mich schon mal umgehört und von einem Military-Markt in Belgien erfahren. Ich werde andere Nummernschilder anschrauben. Lass uns gleich morgen losfahren. Ist ein schöner Ausflug und diese Leute können jeden Wagen wegzaubern, so wie ein Pferd in den Mägen von Pirrhanas verschwindet, nur, dass Knochen übrig bleiben, vom Rover wird nichts übrig bleiben. Es macht mich nervös, zu lange mit dem selben Wagen unterwegs zu sein.“

Dieter gefielen Stans kräftigen Hände mit dieser ledernen gebräunten Haut. Er war ein paarmal versucht, nach einer zu greifen, um sie zu spüren. Ihre Blicke trafen sich. Stan nahm die Champagnerflasche aus dem Kühler und schenkte ihm ein. Er holte sich noch einen Seidel Bier und einen Whisky. Sie saßen dann eine ganze Weile schweigend nebeneinander und nippten an ihren Getränken. Es war schön, einfach einmal nur mit einem Menschen zusammen zu sitzen und schweigend mit ihm, den eigenen Gedanken nach zu gehen.


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hpkluge

Geboren Anfang der 1950iger Jahre, Volksschule, Realschule, konfessionelles Gymnasium, Studium englische Sprache, Literatur, Amerikanistik, Kunst. Abbruch des Studiums nach Auseinandersetzung mit Kunstdozenten und der Weigerung, sich für den Vorwurf dessen ständiger Abwesenheit und Nichterbringung seiner Aufgabe als Lehrender zu entschuldigen. Erste Gedichte, Kurzgeschichten und Liederexte, Songtexte für Solovorträge oder als Sänger einer Hardrockformation. Beteiligung an Gemeinschaftsausstellungen und Einzelausstellungen. Mitbegründer der Essener Künstlergruppe Stadtgas. Anstellung als Krankenpflegehelfer in der Psychiatrie des LVR in Essen. Heirat, Familiengründung. Wechsel in den Vertrieb, Projektmanager für Verwaltungseinrichtung und Innenausbau. Vertriebsleiter und Mitglied der Geschäftsleitung, Prokura, eines mittelständischen Herstellers. Selbstständiger Berater innerhalb der Branche und Personaltraining für Beratung, Verkauf und Dienstleistung in der Gesundheitsbranche. immer wieder sporadisch oder durchgängig künstlerisch tätig u.a. Mitglied einer Künstlergruppe in Westfalen. Nach einer Serie lebensbedrohlicher Erkrankungen Ausstieg aus dem Berufsleben und Rückbesinnung auf den Beginn und die brachliegenden, liegengelassenen Talente. Seit nunmehr etwa drei Jahren Arbeit an kurzen Kurzgeschichten "shortcutstories" ©, Prosagedichten (Poemen) und lyrischen Arbeiten in deutscher und englischer Sprache.

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