Ich hab es so satt!

© hpkluge 2019

Ich sage: „Das mag ich nicht, es ist falsch!“

Du sagst: „Du bist voreingenommen!“

Ich erkläre Dir genau, was ich nicht mag, und wieso ich es für falsch halte.

Du sagst: „Genau das sage ich doch: Du bist voreingenommen!“

Ich denke mir: „Okay.“, erkenne, dass ich mir jedes Wort sparen kann.

„Sag mal, Du bist doch jetzt nicht eingeschnappt?“

Was soll ich sagen, und ehrlich: ich hab keinen Bock auf das, was kommt.

„Typisch! Ganz typisch wieder einmal! Immer kneifen! Sich nur nicht stellen!“

Worum geht es eigentlich? Eigentlich nicht um das, um das es geht.

Ich gebe dem Kellner das Zeichen, dass ich zahlen möchte.

„Klar, bist Du eingeschnappt! Die Wahrheit willst Du nicht hören! Einen Irrtum zu erkennen, ist nicht Dein Ding! Ihn zuzugeben schon gar nicht!“

Doch, tu ich! Nur, ich behalte es für mich. Ich hab es so satt! Ich geb dem Kellner das Geld. „Stimmt so!“

„Danke sehr!“, sagt er. Ich nicke und stehe auf.

Du schüttelst mit überheblichem Grinsen den Kopf. Ich hab es so satt!

„Na, dann genieß den Tag in Deiner verspießerten Welt!“

Ich stelle fest, es tut nicht mehr weh!

„Adieu!“, sage ich und geh. Die Luft draußen ist diesig, aber irgendwie angenehm frisch.

„Du hattest mir doch versprochen, den Müll mit runter zu nehmen!“

Ich drücke meinem Herzblatt einen Schmatzer auf den Schmollmund. Sie schaut mich fragend an, als ich zufrieden grinsend an ihr vorbei in die Küche gehe, den Abfallbeutel aus dem Eimer nehme und zur Wohnungstür hinaus gehe.

„Danke!“, sagt sie mit Neugier im Blick.

„Ist was?“, fragt sie, als ich zurück komme und den Eimer mit einem frischen Beutel versehe.

„Ist irgendwie gut, sich von Überflüssigem zu trennen.“

Ich kenn diesen Blick, aber sie hakt nicht nach.

„Du alter Spinner!“, sagt sie und „Na!“, nach dem Klaps auf ihrenPo.


Veröffentlicht von

hpkluge

Geboren Anfang der 1950iger Jahre, Volksschule, Realschule, konfessionelles Gymnasium, Studium englische Sprache, Literatur, Amerikanistik, Kunst. Abbruch des Studiums nach Auseinandersetzung mit Kunstdozenten und der Weigerung, sich für den Vorwurf dessen ständiger Abwesenheit und Nichterbringung seiner Aufgabe als Lehrender zu entschuldigen. Erste Gedichte, Kurzgeschichten und Liederexte, Songtexte für Solovorträge oder als Sänger einer Hardrockformation. Beteiligung an Gemeinschaftsausstellungen und Einzelausstellungen. Mitbegründer der Essener Künstlergruppe Stadtgas. Anstellung als Krankenpflegehelfer in der Psychiatrie des LVR in Essen. Heirat, Familiengründung. Wechsel in den Vertrieb, Projektmanager für Verwaltungseinrichtung und Innenausbau. Vertriebsleiter und Mitglied der Geschäftsleitung, Prokura, eines mittelständischen Herstellers. Selbstständiger Berater innerhalb der Branche und Personaltraining für Beratung, Verkauf und Dienstleistung in der Gesundheitsbranche. immer wieder sporadisch oder durchgängig künstlerisch tätig u.a. Mitglied einer Künstlergruppe in Westfalen. Nach einer Serie lebensbedrohlicher Erkrankungen Ausstieg aus dem Berufsleben und Rückbesinnung auf den Beginn und die brachliegenden, liegengelassenen Talente. Seit nunmehr etwa drei Jahren Arbeit an kurzen Kurzgeschichten "shortcutstories" ©, Prosagedichten (Poemen) und lyrischen Arbeiten in deutscher und englischer Sprache.

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