Karin Grothe, Mechanikerin

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Karin fokussiert sich auf ihren Auftrag

Sie war bereits gegen Mittag eingetroffen und von der Tiefgarage direkt zur Etage gefahren, auf der ihr Zimmer lag, das sie per Internet gebucht und bezahlt hatte. Die Türkarte hatte eine junge Frau eines Kurierdienstes für sie abgeholt, telefonisch von ihr als persönlicheMitarbeiterin angekündigt.

Es war ein feuchtwarmer Sommertag und sie saß in ihrer Unterwäsche im kleinen Raum. Noch einmal ging sie sämtliche Schritte ihres Plans durch. Wenn es an der Zeit war, liefen ihre Handlungen wie ein Uhrwerk und daher konnte sie sich darauf verlassen, bei unerwarteten, unkalkulierbaren Störungen für kreative und effektive Lösungen innerlich frei zu sein. Um 14:00 stellte sie sich den kleinen Reisewecker, der sie bereits seit zehn Jahren begleitete und legte sich zu Bett. Ihr gelang es, beinah überall sofort einzuschlafen. Eine weitere Eigenschaft, die Sie sich antrainiert hatte, war es, sich die Dauer ihres Schlafes einzuprogrammieren. Der Wecker war lediglich ihrer Zwängigkeit geschuldet, auf fast alles vorbereitet sein zu müssen. Als sie gegen 18:00 Uhr die Augen aufschlug, ertönte das leise Klingeln des Weckers. Bewusst hatte sie auf den Gebrauch der Klimaanlage im Raum verzichtet. Die Gefahr sich zu erkälten, war zu groß, wie sie vor Jahren einmal bitter hatte erfahren müssen. Sie ließ sich ein lauwarmes Bad ein, stellte den Reisewecker auf den Wannenrand und genoß es im Wasser zu liegen, in das sie in geringem Fluß stetig kaltes hinzufließen ließ. Die angenehme Kühle begann in ihren Körper einzuwirken

ihreGedanken und Gefühle angenehm zu umhüllen. Um 18:30 Uhr verließ sie die Wanne, machte sich zurecht, kleidete sich an, nahm den flachen Aktenkoffer, fuhr mit dem Lift in die achte Etage, öffnete die Präsidentensuite mit einer entwendeten Generalkarte für Reinigungskräfte, ging hinein, blockierte die Tür mit der mechanischen Sperre, denn natürlich konnte bemerkt werden, dass sich jemand Zutritt verschafft hatte ohne, dass eine Reinigung vorgesehen war. In diesem Fall blieb die Tür blockiert. Sie rechnete mit knapp drei Minuten, die sie nutzen konnte, bis der Sicherheitsdienst eintraf. Sie tauschte die drei kleinen Vodkafläschchen in der Minibar gegen die aus, die sie in der Minibar ihres Zimmers gekühlt hatte und auch den schmalen Eiswürfelbehälter. Dreissig Sekunden später fuhr sie bereits mit dem Lift in die Tiefgarage, bestieg den alten BMW und lenkte ihn hinaus Richtung Flughafen. Auf dem Dach des Hochhauses der Fluggesellschaften bereitete Sie sich für die nächste Aktion vor. Inzwischen trug sie den grauen Overall der Flughafentechniker, den sie in einem Rucksack zusammen mit der Waffe im Technikraum der Aufzugsanlagen deponiert hatte. Über das Display eines Tablets beobachtete sie die Starts und Landungen der Maschinen auf dem privaten Abschnitt. Die Landung des erwarteten Learjets verfolgte sie durch die Zieloptik ihres Bushmaster-Karabiners. Mit der richtigen Munition und ihren Kenntnissen sensibler Stellen des Jets hätte sie das „Problem“ schon während des Landeanfluges lösen können. Der Auftraggeber wünschte aber eine diskrete Umsetzung. Das Honorar war gut, die Anzahlung unmittelbar nach derAuftragserteilung erfolgt. Der Schalldämpfer würde dem Projektil für diese Entfernung viel Wirkkraft nehmen, aber zugleich die Pulverfahne fast vollständig unterdrücken. Sie nahm das Ziel ins Visier, atmete aus und drückte ab. Das Projektil ging knapp am Ziel vorbei und schlug ein Loch neben ihm in die Hülle des Jets. Als es von den Personenschützern bemerkt wurde, brach die Panik aus. Sie wartete nicht, zerlegte geübt den Karabiner, packte die Teile zu der unauffälligen Alltagskleidung in den Rucksack und verließ das Haus im Erdgeschoß durch den Personaleingang, dessen Überwachungskamera inzwischen bereits repariert wurde. Der BMWstand auf dem Parkplatz für Mitarbeiter mit Vignette für dessen Nutzung an der Windschutzscheibe. Sie stellte ihn in der Nähe des Busbahnhofs ab, nachdem Sie den Overall, das Businesskostüm, Perücke und Pömps, mit denen sie im Hotel aufgetreten war in einenAbfallcontainer entsorgt hatte und in die Jeans, Sneakers und den Kapuzenpullover geschlüpft war. Mit der Hochbahn, die sich zwischen heruntergekommenen Häuserzeilen holprig hindurchschwang, fuhr sie bis zum Bahnhof, löste ihr Ticket, nahm einen kleinen Imbiss mit einem Milchkaffee zu sich und spazierte gemächlich zum Bahnsteig des Zuges, der kurz darauf zur Abfahrt bereit war.

Ihr gegenüber nahm eine junge Mutter mit ihrem Baby Platz, das sie in einer Brusttasche trug und das sich selig schlummernd an Muttis Brust, seine warme Nahrungsquelle, schmiegte. Karin spürte die Wärme in sich aufsteigen, die dieses Bild in ihr auslöste und lächelte der jungen Frau anerkennend zu, die ihren Blick dankbar beantwortete.Karin lehnte sich gegen ihren Rucksack, den sie wie ein Kissenhielt, hin und wieder störte nur der Widerstand, der von den Teilen des Karabiners darin ausging. Sie war kurz eingeschlummert, als eine laute Stimme und klagendes Jammern des Babys sie weckte. Karin fuhr hoch und sah einen, in feinen Zwirn gekleideten, fetten Spießer, der nachdrücklich auf die junge Frau einredete, die offenbar versuchte ihr Kind zu stillen. „Es hat doch Hunger!“, versuchte sie dem Mann entgegen zu halten. Auf der anderen Sitzreihe blickte eine fette, aufgetakelte Schabracke indigniert herüber und mischte sich laut daherredend ein: „Das ist ja derartig abstoßend, sich in aller Öffentlichkeit zu entblößen!“ Der Spießer fühlte sich bestätigt und wohl aufgefordert, sich erneut aufzuplustern.

„LiebeLeute, habt Ihr nicht verstanden, was Euch die Mutter klar und deutlich gesagt hat? Das Baby hat Hunger! Wisst Ihr nicht, was das ist?“

„Was mischen Sie sich denn da ein? Sie haben ja wohl auch keinen Anstand!“, giftete die Schabracke. Als der Spießer einstimmen wollte, stand Karin auf und flüsterte ihm leise ins Ohr: „Laß es sein, Du könntest verlieren was Dir sehr wichtig ist!“ Wie zufällig glitt Karin´s Hand von seinem Knie aufwärts, und in ihrem Blick sah er, dass es nicht um eine leere Drohung ging. Schnell ging er weiter und auch der Schabracke war der kurze Moment einer bevorstehenden Entladung nicht entgangen. Karin winkte den Bahnangestellten zu sich, der auf ein Problem aufmerksam gemacht worden war.

„Ganz sicher haben Sie noch freie Sitzplätze in einem etwas weniger dicht besetzten Abteil wie diesem, nicht wahr?“

DerMann nickte verduzt. Er war davon ausgegangen, ein Problem schlichten zu müssen.

„Können Sie meine Freundin, ihr Kleines und mich bitte dorthin führen? Ich übernehme selbstverständlich die Aufschläge für uns!“

„Oh, ja, Maam! Bitte folgen Sie mir!“

Die junge Frau wußte nicht, wie ihr geschah. Sie folgte dem Angestellten, Karin nahm ihren Rucksack und die kleine Reisetasche der jungen Mutter und folgte wortlos und ohne den geringsten Blickauf die Schabracke oder den Spießer zu verschwenden, der, sich abwendend, die Gefahr vermied, ihren Blick auf sich zu ziehen.

DerAngestellte führte sie in einen abgeschlossenen Executive-Bereich. Karin reichte ihm ihre Kreditkarte, zeichnete und meinte: „Es ist gut dass Ihr Kleines endlich in Ruhe essen kann, aber ich glaube, uns täte etwas Stärkung auch gut, nicht wahr?“ Hilflos zückte die junge Frau ihre Brieftasche, um sich zu beteiligen.

„Hi, ich heiße Karin! Bitte, sein sie so lieb und nehmen Sie meine Einladung an! Wenn ich nachhause komme und erzähle meiner Frau,  Sie hab verhungern lassen, hängt der Haussegen schief! Bitte!“

Die junge Mutter lächelte: „Hi, ich bin Stephanie, und das ist Jules!“

Während Stephanie ihre Mahlzeit zu sich nahm, durfte Karin den Kleinen in seinem Deckchen eingewickelt in den Armen halten. Es war ein eigenartiges Gefühl, so ein kleines Leben am Busen zu spüren, dieWärme, die Bewegung, die von seinem Atmen ausging und die Ahnung des kleinen klopfenden Herzens. Karin begriff in dieser Zeit, in der sie den kleinen Jules halten durfte, daß sie dieses Glück ihrer Hannah nicht vorenthalten durfte! Sie spürte, dass sie selbst nicht geschaffen war, Mutter zu sein und auch nicht werden durfte!

Als Stephanie ihre Mahlzeit beendet hatte und Jules wieder übernahm, sah sie Karin lange an und meinte: „Du liebst Kinder und sieh mal wie mein kleiner Wurm zufrieden grinst! Er hat es auch gemerkt. Bei manchen Leuten wird er schon mal quengelig!“

„Lieb von Dir, dass Du das sagst. Meine Frau wäre eher die Mama! Aber so eine Familie, ich glaube, das werden wir wohl in Angriff nehmen,irgendwann. Aber was macht denn Jule´s Vater?“, versuchte Karin das Thema zu wechseln.

„Oh, Cedrik ist Soldat und wenn sein Schiff in ein paar Tagen einläuft und er heim kommt, wird er seinen Sohn zum erstenmal direkt und nicht nur über Skype sehen und in den Armen halten!“

Es übermannte Karin in dieser Sekunde und sie konnte die Tränen nicht zurück halten.

„Bitte entschuldige!“, sagte sie, und suchte den Weg zur Toilette.

„Er ist Soldat!“, schluchzte sie immer wieder, und die Tränen wuschen etwas von ihrer Seele, so wie ein Wolkenbruch die staubigen Strassen nach endlos heißen Sommertagen reinigt! Sie fing sich, schneuzte in ein Papiertuch aus dem Spender neben dem Waschbecken, wusch,trocknete sich das Gesicht, strich über die Haare und ging zurück an ihren Platz. Stephanie wiegte den Kleinen, lächelte ihr einfach nur zu und summte ein altes Kinderlied. Sie erinnerte Karin so sehr an Hannah, dass es fast weh tat und zugleich ihr Herz laut klopfen ließ!

Dann erreichte der Zug Karin´s Ziel. Stephanie umarmte sie zum Abschied mit aller Kraft und dankte ihr für die Hilfe und alles. Instinktiv spürte sie, dass diese Frau, die wie ein Schutzengel ihr Leben berührt hatte, keine Freundin oder gute Bekannte sein konnte. Siewar einfach nur da gewesen, als sie genau so jemanden gebraucht hatte. Stephanie schickte ein „Danke!“ zum Himmel und bat um den Segen für diese Frau und ihre Partnerin und deren Zukunft. Karin erwiderte ihre Umarmung und drückte dem kleinen Jules einen Kuß auf die Wange, der zufrieden schmatzte während etwas Speichel aus dem kleinen Schnütchen tropfte. „Gratulation an den Soldaten zu diesem Sohn mit dieser Frau! Wer soviel richtig macht, kann kein übler Bursche sein!“

„Ganz genau, wie Du!“

Karin marschierte ohne einen Blick zurück zu werfen, hinüber zum Bahnhofsgebäude und von dort zum Parkplatz, wo ihr alter, rostiger VW-Käfer stand, von dem sie sich nicht trennen konnte. Während sie die Fahrertür aufschloss, sah sie den Zug langsam davon rollen und spürte den Duft des kleinen Menschleins noch immer in ihrer Nase.

Zuhause angekommen, nahm Hannah sie überglücklich in die Arme, strahlte wie die Sonne und diese Herzlichkeit und Wärme war genau das, was Karin brauchte, was sie mal um mal auf die Beine stellte und sie darin versicherte, tatsächlich ein Mensch, ein Wesen aus Blut, Leib, Herz und Seele zu sein.

Während Hannah über ihre letzten Tage ohne Karin sprach, eine Mahlzeit vor ihren Augen entstehen ließ, ihr Kaffee einschenkte und einen Apfelkuchen aus dem Eisfach holte, „Den gibts hinterher!“,glitten ihr noch einmal im Nachgang einige Bilder am inneren Auge vorbei.

„Du hörst mir gar nicht zu!“, beschwerte Hannah sich sehr feinfühlig.

„Och, Liebling, ich bin ein dummer, dummer Mensch, aber einfach so froh, immer wieder zu Dir heim zu kommen!“

Hannah nahm sie gerührt von dieser Erklärung in die Arme, küßte sie und wischte sich mit der Hand das Mehl auf ihr ins Gesicht. Beide lachten.

„Und ich bin ein ungeschicktes Dummerle!“, sagte sie.

„…und die liebste und anbetungswürdigste Frau auf diesem Planeten! Ich liebe Dich, Hannah Grothe!“

Hannah fragte nicht mehr danach, wie es Karin ergangen sei auf ihrer Reise, was sie getan und erlebt hatte. Ohne, dass es je eine Diskussion zwischen ihnen gegeben hatte, spürte und verstand Hannah genau die Grenze, die Karin wünschte und dass es diese Grenze zu ihrem, Hannah´s, Schutz gab. Diesmal war da aber noch etwas, etwas Schönes, das Karin von ihrer Reise mitgebracht hatte und das, sobald die Zeit reif war, aus ihr heraus käme!

Die Mitteilungen in den Nachrichten überschlugen sich in hektischem Übermaß ohne weiteren folgenden Informationsgehalt. Senator Harris Leary, sei unerwartet und erschütternd an den Folgen eines Herzinfarktes verstorben, der offenbar durch einen mißlungenen Anschlag auf ihn ausgelöst worden sei. Die NRA habe mit ihm einen ihrer profiliertesten Unterstützer und aufrechtesten Verteidiger des  verfassungsmäßigen Rechtes der Bürger auf den Besitz von Waffen verloren.

„So geht das schon seit gestern in einem durch!“, meinte Hannah. „In den Schulen schießen Schüler ihre Kameraden und Freunde tot, in den Städten ballert alles, was gerade die Windeln abgelegt hat, mit dem Teufelszeug rum, das Kerle wie der hemmungslos verteilen, um Millionen zu scheffeln und damit auch noch abstoßende Wahlkämpf für charakterlose Idioten zu finanzieren, die ihnen das Geschäft sichern! Hörst Du was davon? Nein! Ich hoffe diese Ratte schmort in der Hölle! – Ist doch wahr!“, fügte sie an, als sie Karins Schmunzeln sah. „Du nimmst mich nicht ernst!“, beschwerte sie sich.

„Ich könnte Dich einfach auffressen! Das ist die reine Wahrheit und nichts als die Wahrheit!“, entgegnete Karin und sprang lachend zur Seite, als Hannah mit dem Handtuch ausholte. Komm, wir haben besseres zu tun, als diesen Quatsch zu gucken!“, brachte Karin heraus, packte Hannah am Handgelenk und zog sie hinter sich her. Hannah lachte: „Duuuh…“

Als sie schließlich erschöpft nebeneinander in ihrem Bett lagen und sich in den Schlaf schmusten, flüsterte Karin der Geliebten zu: „Lass uns Kinder haben, mein Schatz, eine kleine liebe, glückliche Familie.“ Hannah nahm es wahr wie einen Traum und sank ins süße Nichts.

Hannah war tief eingeschlafen, Karin verließ vorsichtig das Bett und stieg hinab in den Keller. Es gab noch etwas zu tun. Dazu schloß sie ihr Notebook an die Technik an und startete eine Software, die sich einen heimlichen Weg ins Internet suchte.

„Genauso hat es sich der Auftraggeber vorgestellt!“, erklärte die verfremdete Stimme. „Wir sind sehr zufrieden!“

AlsKaren später einen Blick auf ihr Konto warf, stellte sie fest, was dem Auftraggeber „Zufriedenheit“ wert war. Dieses Format besaßen bei weitem nicht alle!

Sie durchforstete dann noch alle relevanten Nachrichtensender und Medien, die sich mit dem Tod des Senators befassten.

Infolge des „Anschlags“ auf dem Flughafen, war eine umfassende Obduktion der Leiche angeordnet worden. Das Gift, dass sie im Gegenzug für eine Gefälligkeit einem Auftragsmörder des chinesischen Geheimdienstes aus den Rippen gezogen hatte, war jedoch bereits nach dem Erliegen aller vitalen Funktionen nicht mehr nachweisbar. Leary war ins Hotel geeilt, wie erwartet, und mußte seine Nerven erst einmal, wie immer, mit Schnaps on the Rocks beruhigen. Die geleerten Schnapsfläschchen und ebenso jene, die der Senator nicht gebraucht hatte, waren längst geleert und entsorgt, Glas und Eisschale gespült. Dem Zimmermädchen, da war sie sich sicher, waren die zweihundert Dollar, die sie von ihr bekommen hatte näher, als die Aufklärung des Todes eines Menschen, der zynisch dafür Sorge trug, dass Waffen und damit der Tod auf den Strassen war.

Eines Tages, Hannah hatte gerade das Haus verlassen und war zur Schule aufgebrochen, wo sie in diesem Jahr wieder einmal Erstklässler unterrichtete, als Karin´s gesichertes Notebook mit dem Yankee-Doodle um Aufmerksamkeit heischte. Sie nahm das Gerät, ging mit ihm in den Keller und stöpselte es an ein Kistchen mit olivgrüner Kunststoffschale an. Beim Aufleuchten der dunkel-lila leuchtenden LED-Anzeige, war das Notebook nicht mehr Teil der messbaren Welt. Auf dem, an das Kistchen angeschlossenen Display begann eine Zauberwelt aus Grafiken und Tabellen zu tanzen. Als sie die Kommunikation freigab, wurde diese mit einer eingehüllten Linie dargestellt, um die aufgeregt zitternde Parallell-Linien auftauchten und wieder verblassten. Sie verstand, dass sie es versuchten mussten,aber dass sie es taten, machte sie nervös.

„Was ist los, bist Du auf Reisen?“, fragte die verfremdete Stimme.

„Bin ich das nicht stets und ständig?“

„Arbeitest Du noch für andere?“

„Wenn Du „andere“ bist, dann: „Ja!“

Das kurze Stutzen auf der anderen Seite ließ erkennen, daß da niemand saß, der über Humor verfügte.

„Du möchtest mich sprechen?“, kürzte Sie ab.

„Kannst Du sprechen?“, kam es zurück.

„Ja!“, entgegnete sie. Jeder Versuch einer zwischenmenschlichen Kommunikation war zum Scheitern verurteilt, soviel war klar.

„Gut! Wir benötigen Dich für eine Aufgabe, auf die Deine Fähigkeiten wie zugeschnitten sind!“

„Na, klar!“, giftete „Rita Meter“, wie sie die, oft nöhlige Stimme in sich personifizierend nannte. „Fehlt nur noch, dass der Clown sagt, daß es auf der ganzen weiten Welt keinen gibt, der den Job übernehmen und durchziehen kann.“

„Du hast vor kurzem erst eine erstklassige Arbeit abgeliefert, tut uns leid, Dich gleich wieder anzusprechen, aber derzeit finden wir niemanden, der das Zeug, die Erfahrung, die Professionalität hat, zu erledigen, um was wir angesprochen wurden.“

„Rita Meter“ kicherte sich eins.

„Vorsicht, das Arschloch will dem Affen Zucker geben!“

„Danke! Da sind wir einer Meinung!“

„Nicht dass das häufig der Fall wäre!“, stach Rita Meter nach.

„Ich höre.“, sagte Karin.

„Du bist wirklich bereit? Hast keine Verpflichtungen, keine Urlaubspläne…?“

„Standby…“, entgegnete sie.

„Wir haben eine Anfrage, uns eines Problems in Europa anzunehmen. Es ist ein Honorar in zweistelliger Millionenhöhe ausgelobt!“

„Frag ihn, ob das eine seriöse Aufgabe ist, oder ob er auf Deine Kosten reich werden will!“

„Rita Meter“ hatte recht! Das war irgendwie sehr dick. Hätte er gesagt:Anzahlung hunderttausend, Restzahlung hunderttausend plus Bonus,hätte nichts geklingelt. In dieser Liga aber spielte sie nicht, und wollte das auch nicht, denn da trifft man auf Möglichkeiten, die eine Einzelkämpferin überfordern. Es heißt: „Viele Hunde sind des Hasen Tod!“

„Und Du bist der Hase!“, steckte „Rita Meter“ hinterher.

Während der ganzen Zeit spielten sich sonderlichste Farb- und Linienspieleauf dem, an das Kästchen angeschlossenen Display ab.

„Weißt Du was?“, fragte sie, „Schick mir das Material im Laufe der Nacht einfach rüber, ich schau es mir nach dem Frühstück an und melde mich in kürzester Frist.“

Es knackste in den Lautsprechern des Notebooks und eine Linie erlosch.

„Du bist wirklich allein und niemand bekäme die Akte zu Gesicht?“

Nun schaltete sie ihrerseits den Stimmenverzerrer zu, denn Rita Meter hatte den Begriff „Analyzer“ erwähnt.

„Okay, ich habe eine blinde Katze bei mir, die mir zugelaufen ist. Soll ich das Tier aussperren?“

Für einen Atemzug lang hörte sie ein Geräusch, wie von einer Atemmaske.

„Wenn die Katze vier Beine hat, ist es okay. Wieso höre ich Dich jetzt kaum noch? Ist das ein Stimmenverzerrer?“

„Jep, ist es, ich muß sagen, man lernt viel von Dir!“, entgegnete sie.

Und wieso hast Du ihn eben erst dazwischen geschaltet?“

Ist neu das Gerät, es ist mir noch nicht so gegenwärtig, aber wenn Du eine Antwort willst, die Dir ehrlicher erscheint:

„Irgendwie hatte ich plötzlich das deutliche Gefühl, daß Du versuchst, meine Stimme zu analysieren und überhaupt habe ich diese krause Eingebung, daß Du versuchst mich zu orten.“

„Du hast sicher Gegenmaßnahmen ergriffen?“

„Ja, ich habe mir einen Nerventee gemacht, um nicht durchzudrehen.Paranoia ist nicht gut für die Arbeit, okay?“

Bis morgen Mittag spätestens wollen wir Deine Entscheidung haben!“

Die Kommunikation brach ab, die meisten Linien auf dem Display verschwanden.

Garth hatte ihr ein weiteres Kästchen gebastelt, das sie an das erste anschloß und dann ihr Notebook an diese Box.

Wenn Du den Kanal für den Flow offen läßt, kann da ein Fiesling huckepack mitgetragen werden, der während der ganzen Zeit nachhause telefoniert. Der Server blockt jede Positionsanfrage ab und schickt einen Alarmping, aber kaum kommt die Anfrage von Deinem Email-Client, geht das Paket auf Reisen. Dieses kleine Schächtelchen nimmt sich der Botschaft an und schickt sie auf eine Reise durch die Unendlichkeit, in Lichtgeschwindigkeit um sich selbst im Kreis. Der Empfänger, der ja der Absender ist, wird mit einer Informationsflut zur Position des Fieslings überladen, die sich jeweils nur relativ zur Veränderung innerhalb der Kreisbahn bezieht… nichtssagender Datenmüll, dabei, die speichernde Festplatte zum Überladungsabsturz zu bringen. In dem Moment, wo sie die Annahme der Antwort verweigern, wars das und Du kannst Dir die Sendung anschauen.“

Garth war Autist und völlig auf Technik und Mathmatik reduziert. Hannah hatte ihn auf einem Seminar ihrer Schule zum Thema kennengelernt und Karin von ihm berichtet. Karin hatte ihn zu einem Abendessen eingeladen mit der Aussicht, einen völlig veralteten Rechner flott machen zu dürfen. Als Karin das Gerät nach zwanzig Minuten einschaltete, wardas ein vollkommen anderes. Garth wohnte in einer Einrichtung, die Patienten seiner Erkrankung oder Überbefähigung betreute. Als sie Garth heim brachten, übergab sie seiner Betreuerin und Therapeutin ein Kuvert mit dem Gegenwert der geleisteten Arbeit.

„Dasist zuviel, Misses!“, meinte sie. „Das war doch keine Arbeit für ihn!“

„Ichhabe mein mir vertrautes Gerät behalten können, nur, daß es völlig neu und besser ist! Da habe ich eher das Gefühl, dass der Betrag zu gering ist.“

Irgendwie begann Garth Zug um Zug Kommunikation für sich anzunehmen in einer seltsamen, aber absolut tauglichen Art, so als appliziere er ein neues Modul in sich. Er machte Fortschritte, so dass seine Eltern ihn wieder heim zu sich nahmen und ihn in ambulanter Kontrolle durch die Einrichtung beließen.

Sie waren froh, dass er durch „Wartungs- und Reparaturarbeiten“, die er für Karin leistete ein schönes Taschengeld verdiente, das der Familie sehr zupass kam. Was niemand wußte war, dass Karin für ihn Rücklagen aufbaute, die dem tatsächlichen Wert seiner Leistung gerechter wurden. Sie ermunterte ihn, seine Arbeit zu dokumentieren und niederzulegen. Irgendwann sollte er Patente einreichen können, so ihr Gedanke. Dann aber erinnerte sie sich und es wurde ihr bewußt, dass bei dieser Befähigung und Ausrichtung von jenem Moment an sein Leben in Freiheit beendet oder gar gefährdet sein würde.

Ein Auftrag, den sie vor einiger Zeit übertragen bekommen hatte, war der einesehemaligen Geheimdienstoberst betreffend gewesen, dem es in privater Tüftelei gelungen war, entscheidende Verbesserungen am Konzept eines Hochleistungskarabiners zu entwickeln. Als er versuchte, ein Patent auf seine Entwicklung anzumelden, die sich auf keine existierende Waffe bezog, war es ihre Aufgabe gewesen, den guten Mann während eines Tauchgangs vor Barbados nachhaltig von der Umsetzung seiner Pläne abzuhalten. Das Gift, das sie ihm injizierte, ließ ihn gerade noch den Einstich der Injektionsnadel wahrnehmen. Es gab einige hochgiftige Lebewesen vor Ort. Der Militärarzt, der, oh Wunder, auf einer Fregatte, die vor der Küste ankerte, eingesetzt war, legte sich auf eine Quallenart fest, und das wars. Der Karabiner blieb unter Verschluß, denn die existierenden Waffen verkauften sich auch ohne Innovation wie geschnittenes Brot. Sollte tatsächlich eine neue Waffe gebraucht werden, war sie da und konnte ohne lästige Lizenzgebühren hergestellt werden.

Helden und Genies überleben nie, besonders nicht, wenn sie sich nicht betrügen lassen wollen.

Das Ziel, das ausgelobt wurde, war ambitioniert. Eine europäische, politische Persönlichkeit sollte unauffällig zu Tode kommen, eines „natürlichen“ Todes sterben. Die Akten zum physischen und psychischen Staus waren derart detailliert, dass sie nur aus einer Quelle stammen konnten, nämlich der, die sie erhoben hatte. In diesem Fall stimmte Karin „Rita Meter“ vorbehaltlos zu:

„Mit Speck fängt man Mäuse!“

„Hast Du die Unterlagen nicht bekommen?“, fragte die veränderte Stimme.

„Doch, sie sind eingegangen, ich konnte sie mir allerdings noch nicht anschauen, ich bin eben erst aus dem Krankenhaus zurück gekommen.“, gab sie zurück.

„Was ist geschehen?“, fragte die Stimme und trotz aller Verzerrung war ein Anflug von Zweifel heraus zu hören.

„Etwas Wasser auf poliertem Steinboden, Türschelle und schon ist es passiert.“

„Was ist passiert?“

„Knochenbruch!“, entgegnete sie vage.

„Du bist doch so eine trainierte und reaktionsschnelle Kämpferin, und dann passiert Dir sowas?“ Kein Zweifel, das Gegenüber glaubte ihr die Geschichte nicht.

„Tut mir leid, aber Training schützt vor Unfall nicht!“

„Ist das Deine Art, Angeboten, denen Du Dich nicht gewachsen fühlst aus dem Weg zu gehen?“

„Denk Dir die Welt, wie sie Dir gefällt, aber solange Du mit realen Menschen zu tun hast, passieren Dinge, wie sie passieren, auch wenn sie nicht in Deine Pläne passen!“

„Genau das ist mir jetzt klar geworden!“

Es knackte in der Leitung und die Verbindung brach ab.

Garth´s Zauberkistchen konnten zwar die Rückmeldung der Unterlagendatei an den Absender verhindern, nicht aber, daß sie sich unwiderruflich löschte, zuvor aber war es ihnen gelungen, den Absender zulokalisieren.

„Jetzt hast Du sie am Hintern kleben!“, konstatierte „Rita Meter“.

Sag mir was Neues, das tun sie doch schon seit einer Weile nehme ich an.“

„Seit sie wissen, dass Du technisch aufgerüstet hast, suchen sie nach Lösungen!“

„Über Nacht werden sie keine finden!“, beruhigte sich Karin.

„Bist Du sicher? Vielleicht haben Sie Dich ja auch schon lokalisiert!“

„Rita Meter“ konnte so beharrlich sein!

„Du hast recht!“, ging sie auf „Rita´s“ Einwand ein. „Wir werden keine Ruhe haben, solang das Problem existiert.

„Ich habe immer damit gerechnet, dass das passiert.“, war alles, wasHannah sagte, als sie sie weckte und ihr mitteilte, dass sie fort müssten. Während Hannah damit begann, nötigste Dinge und Unterlagen zusammen zu packen, ihrer Schule eine Mail schickte mit der Erklärung, in einer unaufschiebbaren Familienangelegenheit verreisen zu müssen, fuhr Karin zu Parker Bailey, dem sie einmal mit ihren Möglichkeiten aus einer geschäftlichen Notsituation geholfen hatte und kaufte bei ihm ein Wohnmobil mit ausreichendem Komfort, echten Nummernschildern und Papieren. „Pässe, Kreditkarten etc. schick ich Dir per Kurier, sobald Du mir eine Adresse durchgeben kannst.“

„Den Wagen verschrottest Du besser!“, riet sie ihm. Er zuckte bedauernd mit den Schultern, begriff aber, dass Karin ihn nicht auf den Arm nahm. Es war noch dunkel, als sie mit dem Wohnmobil zuhause ankam. Hannah verstaute die Koffer und Kartons im Gepäckraum des Mobils,während Karin die Technik und ihr Werkzeug aus dem Keller holte und in den Stauräumen unterbrachte, die Parker ihr gezeigt hatte. Mitdem Mobil waren zwei Jahre lang erfolgreich Drogen geschmuggelt worden, was einer Erfindung geschuldet war, die das Erschnüffeln durch Drogenhunde so gut wie unmöglich machte. Parker hatte es, seinem Instinkt folgend aber für besser befunden, auf das Geld zu verzichten, das er im Milieu mit dem Fahrzeug hätte verdienen können. Gegen Mittag rollten sie bereits, Landstraßen folgend 600Kilometer von daheim entfernt Richtung Norden. Unterwegs ließen sie sich nie zu zweit sehen, immer ging nur Karin oder Hannah hinaus, um zu tanken, zu zahlen oder einzukaufen. Einmal quatschte ein Typ Hannah an einer Tankstelle an und wollte nicht verstehen, dass sie nicht interessiert war.

„Du, ganz allein unterwegs, und so ganz ohne Schutz?“, meinte er.

„Nicht wirklich.“, antwortete sie. „Butler und James sind mir Schutz genug!“

Der Typ setzte ein blödes Grinsen auf. „Was sollen das denn für Pfeiffen sein? Hört sich mächtig schwul an!“

„Kann sie Dir ja vorstellen… es hat sich vielleicht noch nicht zu Dir rumgesprochen, aber von schwulen Dobermännern hat die Welt noch nichts gehört.“ Karin hatte verfolgt, was da draußen lief. Über ihr Smartphone rief sie eine Dobermann-Zucht-Website auf. Der Typ bei Hannah grinste, weil er einen Trick roch. Als er sich ihr näherte, rief die „Jungs!“ und Karin startete den Stream,verstärkt über den Bluetooth-Lautspecher, öffnete die Tür einen Spalt und schlug gegen sie. Der Kavalier gab Fersengeld und fluchte wie ein Rohrspatz.

„Mädchen, hast Du da tatsächlich Dobermänner in Deiner Kutsche?“, fragte der alte Mann an der Kasse schmunzelnd. „Wann scheißen und pinkeln die denn mal?“

„Brauchen die nicht!“, antwortete Hannah und der Kerl kriegte einen Lachflash. Als Hannah gegangen war, kam der Kavallier in den Laden, um seinen Sprit zu bezahlen. Da hatte der Alte sich schon wieder unter Kontrolle und guckte nörgelig ernst, wie immer.

„Was gabs denn grade so zu lachen, Pete?“, fragte der Kavallier, der argwöhnte es könne was mit ihm zu tun gehabt haben.

„Ach, Huck,“ grinste Pete, „Ich werd zu alt für diese Welt! Dass Du Scheiße erzählst und Deine Kumpels, bin ich nun ja schon gewöhnt, aber dass Weiber heutzutage auch schon anfangen Blödsinn zu reden, dass sich die Balken biegen, bringt mich doch noch aus der Fassung. Dieses Mädel hat glatt behauptet, heute früh in Lordsburgh losgefahren zu sein und es schon bis hierher mit ihrer Büchse geschafft zu haben.“

„Und?“, setzte Huck nach.

„Hat gefragt, ob ich Hundefutter oder Hundeleckerlies hätte.“

Als Huck gegangen und mit seinem GM-Rost-Pick-Up wieder zu seiner Farm verschwunden war, holte sich der Alte erst einmal ein Bier aus der Getränkebox, hockte sich auf seinen Stuhl, schob sich eine braune mexikanische Zigarette zwischen die Lippen, paffte, nahm einenSchluck, blickte in den wolkenlosen blauen Himmel und kicherte  hinein. „Oh lord, wont you buy him a little more brain?“,sang er zur Melodie eines der Lieblingslieder seiner Jugend zufrieden vor sich hin.

Am vierten Tag überquerten sie die kanadische Grenze und gaben an, in ihrem Urlaub, durch Kanada bis nach Vancouver reisen zu wollen. Tatsächlich fuhren sie nach Halifax, wo Lauren die Halbschwester von Hannah, wohnte und sehr erfolgreich mit ihrem Mann Jonathan eine Bäckerei betrieb. Ihre Tochter Elaine war in einen Orden eingetreten und ihr Sohn Laurence hatte in Paris Französische Sprache, Literaturund Philosophie studiert. Bei dem Anschlag auf das Bataclan war er ums Leben gekommen, was die beiden in tiefe Trauer gestürzt und besonders Jonathan von einem liebenswürdig freundlichen Mann zu einem Eigenbrötler hatte werden lassen, der oft tief in seinen Rachegedanken und Hassfantasien versank. An solchen Tagen verschwand er völlig in seiner Backstube und blieb dem Laden fern, wo er sich früher gern aufgehalten und mit den Kunden gescherzt hatte. Alle litten mit den beiden und der Haushaltsladen von Rashid und Maryam oder das Elektrowarengeschäft von Said Al-Bukd, und weitere von Muslimen geführte Unternehmungen hatten nach dem Anschlag im fernen Paris, der einem Jungen der Stadt das Leben gekostet hatte, Probleme. Es gab Anfeindungen, auch wenn die meisten Kunden eine klare Linie zogen. Die beiden waren froh, daß mit Hannah und Karin Abwechslungin ihren Alltag kam. Elaine, die sich nun Schwester Magdalene nannte, stieß ebenfalls zu ihnen und es gab soviel zu erzählen.

„Wir wären gern bei Eurer Hochzeit dabei gewesen!“, äußerte Lauren und wandte sich an Karin: “Wir sind doch eine Familie!“

„Sie dürfen uns nicht böse sein, aber nach den ersten Beschimpfungen,die auf uns niedergingen aus Hannah´s Familie, hatten wir einfach keinen Nerv mehr, so ungerecht das im einzelnen auch gewesen sein mag.“

„Und was ist mit Ihrer Familie?“, setzte Lauren nach. Karin nickte verstehend. Auch das sind Menschen und bis auf meinen Großvater, der leider inzwischen verstorben ist, glaubten sich alle berufen, auf mich und auf Hannah hinabblicken zu müssen!“

„Ja, aber heute?“, wollte Lauren wissen, erschrocken über die Kälte,die aus Karin sprach.

„Niemand sollte sich mit Menschen umgeben, die ihn hinunterziehen wollen!“

Lauren verschluckte sich an dem Saft, an dem sie nippte.

„Man muss auch vergeben können, meinen Sie nicht, Karin?“

Karin begegnete ihrem Blick in aller Ruhe und sagte nur: “Nein.“

Elaine rettete die Situation, indem sie ihre Mutter an den Braten im Ofen erinnerte und sie mit sich in die Küche nahm.

Jonathan hatte mit großer Aufmerksamkeit Karin zugehört, sich noch einenSchnaps eingeschenkt und fing an, wie erwachend, den beiden Fragenzu stellen.

„Wo und wie habt ihr Euch eigentlich kennengelernt?“ Hannah begann wie befreit zu reden. Karin, die die Toilette aufsuchen musste, hörte durch die dünne Gipswand, die das Bad von der Küche trennte, wie Elaine auf ihre Mutter einredete: „Was tust Du da? Willst Du sie entfremden? Es ist ihre Frau!“

„Was redest Du da? Du willst eine Frau Gotte´s sein? Diese Karin hat sie verführt, sie in Laster und Unzucht gezogen!“

„Hörst Du Dich sprechen, Mutter? Wer hat Dich zum Richter über Deine Schwester und über ihre Frau berufen? Satan möchte man meinen, denn unser Herr Jesus kann es nicht sein! Er hat uns Liebe gepredigt und hat sie uns mit seinem Tod bewiesen!“

Lauren lachte auf: “Ist die Sünde nun auch schon in die heiligen Klostermauern gedrungen? Seid ihr…“

„Hüte Deine Zunge, Mutter! Verzeih, aber Du wirst böse!“

Das Gespräch verstummte, als sie die Wasserspülung hörten.

Karin nahm Jonathan gegenüber am Tisch Platz, während Hannah half den Tisch zu decken, Getränke zu holen, einzuschenken und Speisen aufzutragen. „Was machen Sie beruflich, Karin? Sind Sie auchLehrerin?“

„Oh,nein, ich bewundere Hannah für Ihre Engelsgeduld und ihre Liebe für schwierige Fälle, für die sie nicht immer belohnt wird. Nein, ich bin nicht zur Lehrerin berufen. Mein Interesse als Mädchen war es, angeregt durch den Krebstod meines Lieblingsonkels, diesen Feind zu bekämpfen, Ärztin zu werden. Irgend etwas muß ich am Studium missverstanden haben, denn als der „große Professor“ sich mehr für meine Brüste und meinen Unterleib zu interessieren begann, machte ich ihm klar, dass er sich seiner Aufgabe zuwenden solle. Daraufhin glaubte er, mich diskreditieren zu müssen und mein Ziel zerbröselte vor meinen Augen. Er hatte Kontakte überall hin und einige der wichtigsten Studien und Bücher hatte er betrieben und heraus gebracht. Mir blieb nur, einen Lebensunterhalt zu suchen.“

Bevor Lauren, in der es arbeitete, wieder eine unbedachte Äußerung tun konnte, hatte Elain ihr „ungeschickt“ etwas Sauce über das Kleid gekleckert. Sie stand auf und stapfte wütend davon, um sich zu reinigen.

„WelcheLösung haben Sie denn für sich gefunden?“, setzte Jonathan nach, den Faden verfolgend. Karin lächelte. Fragen Sie mich nach den Diners im mittleren Westen, italienischen Restaurants in LA oder Seattle. Ich bin hunderte Kilometer gelaufen, um Gästen Mahlzeiten zu servieren. Es war Zufall, dass eine recht bekannte Schauspielerin miterlebte, wie ein angetrunkener Kerl mir offen zwischen die Beine griff und plötzlich mit einigen Zähnen weniger am Boden lag und anschließend verhaftet wurde. Ein Bodyguard der Schauspielerin sprach mich an, ob ich mir vorstellen könne, für seine Klientin zu arbeiten. Als er mir beschrieb, was ich zu tun hätte und mir das Honorar nannte, wußte ich, dass ich eine Aufgabe gefunden hatte.“

Lauren, die inzwischen wieder mit neuem Kleid am Tisch Platz genommen hatte, schwieg und hielt sich aus den Gesprächen heraus. Schließlich schob sie Kreislaufprobleme vor und entschuldigte sich. Jonathan schien in gewisser Weise Witterung aufgenommen zu haben, denn er blieb an dem, für ihn offenbar interessanten Thema.

„Sind Sie immer noch für diese Künstlerin tätig?“

Karin wußte genau, worauf er hinaus wollte und schüttelte den Kopf.

„Ich arbeite für eine Agentur, die mich an Klienten vermittelt, die meine Qualifikation und Erfahrung brauchen für eine gewisse Zeit. Manchmal bin ich nur wenige Tage gebucht, z.B. um die eigeneS icherheitstruppe eines Klienten zu prüfen und Schwachstellen zu zeigen, manchmal bin ich ein oder zwei Wochen unterwegs, um Vorfeldprüfungen zu unternehmen, wenn ein Prominenter einige Zeit an einem anderen Ort verbringen will oder muß. Eine einzelne Frau, die so ein Hotel, einen Club, ein Resort aufsucht, ist immer unauffälliger als ein Securitymann oder ein Team, das „herumschnüffelt“. In der Regel gilt es, Paparazzi zu erkennen, zu fotografieren und die Security des Prominenten mit den Informationen zu versehen.“

„Und da gibt es nicht mal irgendwas Gefährliches?“ Jonathan war einerseits enttäuscht, glaubte aber auch, dass Karin einiges vorenthielt. Elaine sah, dass er begann, Karin zu nerven, die nicht bereit war, mehr preis zu geben, als sie es getan hatte. Elaine konnte wahrnehmen, dass Karin unter vielen Schalen einen Kern verbarg, der ihr einen Moment lang eine Gänsehaut verursachte. Sie sah aber auch, wie glücklich Hannah mit dieser Frau war.

Beim Frühstück überraschte Karin alle mit der Nachricht, dass ihre Agentur sie für eine Aufgabe nach New York rief. Hannah begriff sofort, was das bedeutete. Karin hatte die Entscheidung getroffen, der Schlange die Giftzähne zu ziehen. An ihrer Reaktion erkannte Jonathan, dass es um etwas anderes gehen musste, als das, was Karin beschrieben hatte. Er behielt es für sich. Lauren war froh, dass Karin das Haus verließ und war nur zu bereit Hannah zu beherbergen und sie so, wie sie glaubte, näher an ihrem Einfluss zu haben. Gegen neun Uhr machte sie sich mit dem Wohnmobil auf den Weg, wenngleich sie New York schneller hätte erreichen können.

„Auf diese Weise habe ich Zeit, mich in Ruhe vorzubereiten. In New Yorkknistert die Luft und ich brauche Konzentration.“, erklärte sie. In Wahrheit aber lag ihr Ziel viel näher.

„Opa,Opa!“, rief der kleine Bursche, rannte zu dem leicht übergewichtigen alten Herrn in grauer Tweedjacke mit ledernen Ellbogenschonern, den lodengrünen Knickebockern, karierten Strümpfen, den festen genähten Schuhen, einem irischen Flachkäppi und einer runden Hornbrille auf der Nase, deren feine rotviolette Äderung eine Vorliebe für harte Getränke verriet, und unter der ein buschiger, aufwändig gepflegter, gezwirbelter Schnäuzer einen gewissen Hang zu Eitelkeit und Wichtigkeit erkennen ließ.

„Opa, schau mal das Schiff da draußen! Was hat das denn für ein riesiges Segel?“, rief der Kleine mit roten Wangen begeistert.

„Das nennt man Spinnaker, Junge! Das bringt dem Boot nochmal richtig Geschwindigkeit!“

Der Alte drückte dem Jungen eine Tüte mit Brot und Kuchenstückchen in die Hand. „Da schau, die Vögel haben Hunger! Gib Ihnen was davon.“

„Oh, danke Opa!“, jubelte der Kleine und lief zu der Gruppe der Tauben und Möwen hinüber.

„Dein Enkel, Birdie?“, fragte der hagere Mann, der fast unmerklich zu dem Angesprochenen getreten war.

„Erwin, wenn Du glaubst, mich überraschen zu können, das hat noch nie geklappt, das wird nie klappen! Ich hab Dich schon entdeckt, als Du Dich in die Gruppe am Hotdogstand gequetscht hast.“

DerHagere verzog seinen faltigen, schmallippigen Mund, steckte sich eine filterlose Zigarette zwischen die Lippen und begann heftig an dem entbrannten Stäbchen zu ziehen. Der Wind vom See her fuhr in sein dünnes, weißes Haar, das an Spinnweben in dunklen Winkeln einer Scheune erinnerte.

„Was willst Du, Erwin? Wie Du siehst, bin ich mit Wichtigerem beschäftigt! Ich seh den Kleinen nur alle vier Wochen einmal!“

„Birdie, mein Freund, wenn wir in der Angelegenheit nicht endlich durchgreifen, könnte es sein, daß Dir das Licht ausgeht, bevor Du den Knaben noch einmal siehst!“

„Ach, Opa, laß uns doch noch etwas bleiben! Es ist so lustig hier!“,bettelte der Kleine und schmuste die Hand seines Großvaters.

„Okay, Erwin! Ich bin um acht Uhr im Büro!“

„Wenn Du meinst?“, entgegnete der frostig.

Birdie verstand, daß es wirklich ernst sein mußte, denn den Ton, den Erwin ihm gegenüber anschlug, hatte er sich zuletzt vor etwa einem Jahrzehnt herausgenommen.

Langsam schlenderte er etwa eine halbe Stunde später zur Limousine mit dem Jungen an der Hand. Der Chauffeur riß die Fondtür auf und kurz darauf rollte der schwere Wagen stadtauswärts.

„Nichts!“,begann Erwin und saugte an der wohl sechsten oder siebten Zigarette, wie Birdie anhand der Kippen im Aschenbecher überschlug. „Ausgeflogen das Nest. Nichts von Belang zu finden, keine Technik nichts. Nachbarn hatte sie keinen. So ein Fuzzi, der Werbeprospekteverteilt meinte, dass da noch eine andere Frau leben müsse, jedenfalls gelebt habe. In den Geschäften in der Nähe wollte niemand was dazu sagen. Die halten Fremden gegenüber zusammen, wie Pech und Schwefel. Nur ein Kind verplapperte sich und es kam heraus,dass diese andere Frau Lehrerin an der Countyschule war. Als unserMann da mal nachschauen wollte, hatte er Pech und wurde vom Sheriff erwischt. Er sitzt bereits im Untersuchungsgefängnis und der Richter scheint was gegen unseren Anwalt zu haben, er blockt ihn einfach ab und wird durch gute Freunde weiter oben gedeckt. Wir hätten besser ein Landei aus der Gegend dahin schicken sollen. Solange unser Mann einsitzt erfahren wir also gar nichts über das hinaus, was er uns auf dem Beantworter hinterlassen hat. Wir wissen nur, dass unser Vogel ausgeflogen ist!“

„Ja, der Birdie ist blöd, passt sich nicht den neuen Zeiten an! – Hab ich Euch nicht gewarnt, diesen Technikscheiss auf die Spitze zu treiben? Das Mädchen ist ein Kaliber für sich, mit solchen Leuten geht man anders um: mit Respekt! Das ist keine blöde Angestellte, die man Männchen machen lassen kann! Sie hat es gerochen und sich selbst mit Eurem Quatsch eingedeckt! Kommt alles aus China und wird an jeder Ecke verscherbelt! – Also, sie ist verschwunden, ja, und?“

„Nach Auswertung unser Aufzeichnungen scheint es möglich, dass sie unsgeortet hat und ganz genaue Koordinaten besitzt. Wahrscheinlich ist sie auf dem Weg hierher!“

Birdie kicherte vor sich hin. Na, dann brauchen Du und Deine Leute doch nur noch durchzugreifen, oder nicht?“

Durch Erwin´s bleiches, faltiges Gesicht zuckte nackter Hass über den unverhohlenen Spott, den Birdie gegen ihn gerichtet hatte. Er hatte immer schon daran gedacht, diesen fetten Sack aus dem Spiel zu nehmen und auch jetzt, beruhigte er seine Nerven mit dem kalten Metall in seiner Rocktasche. Es gab nur ein Problem: Birdie hatte die millionenschweren Kontakte, hatte es geschafft, sich das Vertrauen wichtigster Auftraggeber zu erschleichen! Nun, wäre er nicht da…

„Wir werden warten, Erwin, und dann, um gotteswillen, lass mich mit ihr sprechen! Nichts gegen Deine zwingende Überzeugungskraft, aber – ich meine, Du kannst ja nichts dafür – wenn Du aufgeregt bist, und das wirst Du sein, benötigst Du Deine Sauerstoffmaske und sie wird Dich für einen Roboter halten, der Du, sei mir nicht böse, ja auch bist!“

Erwinzwang sich, seine leere Hand aus der Rocktasche zu ziehen, aber eines Tages!

Die Bürotür flog auf, eine Gestalt hechtete herein und Erwins Schädel zerplatzte.

Birdie wischte sich Blutspritzer mit einem großen, blau karierten Taschentuch aus dem Gesicht. Er griff sich ans Herz und schalt sich selbst einen alten Narren. Er hatte schon vor Jahren kapiert, dass er längst dabei war, in größer werdenden Schritten den Berg hinab ins Tal zu wandern und dass selbst das immer schwerer wurde.

„Jetzt bist Du also da! Wir haben Dich erwartet! Aber natürlich nicht in dieser Weise!“

Karin nickte, schob ihm ein Glas und eine der Mineralwasserfläschchen zu, die auf dem Tisch standen.

„So, Du bist also herzkrank? Sicher hast Du irgendein Medikament bei Dir für Momente, wie diese. Nimm es, aber sei vorsichtig mit den Händen und mit den Knien, obwohl, den stummen Alarm gibt es nicht mehr und auch keinen anderen! Eure Männer, ich meine: Deine Männer – muß es jetzt heißen, liegen betäubt und mit unzerreißbaren Kabelbindern aneinander geknüpft in ihren Räumen. Das Außenteam wird ebensowenig ins Gebäude gelangen, wie die Polizei oder die Feuerwehr. Diese Alarmverriegelung aller Zugänge war eine geniale Idee! Ach ja, die Kameras nehmen nichts mehr auf, die Geräte sind verschmurgelt. Ich glaube, wir können uns entspannt unterhalten, meinst Du nicht auch, „Birdie“?“

Der Alte nickte, entnahm einem silbernen Döschen eine Tablette, nahm sie in den Mund und schluckte sie mit einem Schluck Wasser hinunter.

„Danke.“, sagte er.

„Dafür doch nicht!“, entgegnete Karin. „Sag mir doch lieber, wieso Ihr mich nach unserer langen Zusammenarbeit habt ausschalten wollen! Ich kapier da etwas nicht: erst sagt Ihr mir, wie zufrieden Ihr seid, legt einen großzügigen Bonus auf mein Honorar und dann sowas?“

„Du hast uns hinsichtlich des Europa-Jobs belogen! Du wolltest Dich drücken! In unserer Branche heißt das, dass Du Dich absetzen wolltest, Dich vielleicht hast abwerben oder umdrehen lassen!“

„Birdie, Birdie, beinah hättest Du mir sympathisch werden können, aber Du bist nicht aufrichtig Dich an Deinen eigenen Werten messend, denen Du Dich selbst nicht unterwirfst! Du weißt, wie man einen solchen Menschen nennt, nicht wahr? Der „Europa-Job“ war eine Falle, in die Ihr mich schicken wolltet! Wieso?“

„Erwin ist völlig durchgedreht, hat sich eingeredet, wir wären abhängig von Dir, erpressbar. Er hat mir unterstellt, daß ich Dich bevorzugt behandele, frag mich nicht, woran er das festmachen wollte. Er behauptete es und das Zusammenspiel zwischen uns kam ins Schwanken; ist der Kopf uneins, wackelt alles. Das durfte nicht sein, also war ich bereit, Dich für die Firma zu opfern.

„RitaMeter“ meldete sich wieder einmal mit einem Räuspern. „Bitte frag mal, ob es auch Popcorn und Cola gibt! Soll wohl eine Art Disneyfilm werden, nur daß es am Ende nicht gut ausgehen wird!“

Birdie saß ihr entspannt gegenüber und schien sich eine Last von der Seelereden zu wollen. Ein irgendwie netter alter Herr, der aber auffällig nervös am linken Ärmel seiner Tweedjacke fummelte.

„DasTablett!“, zischte „Rita Meter“. Karin riß es vom Tisch auf, Gläserund Tassen zersprangen auf der Steinplatte des Tisches. Kaum hatte sie es vor ihre Brust gezogen, da schlugen zwei kleine Pfeile gegen den harten Kunststoff und schwirrten in den Raum. Birdie wurde blass und zuckte entschuldigend mit den Schultern.

„Ich mußte es versuchen!“

Karin hob einen der Pfeile vorsichtig vom Boden auf und sah ihn sich an.

„Das Gift an der Spitze ist absolut tödlich, nicht wahr?. Du arbeitest bevorzugt mit Gift, das hat mich immer fasziniert und inspiriert!“

Sie bedeutete ihm, die Jacke auszuziehen. Am linken Unterarm war die Doppel-Abschußvorrichtung für die Pfeile festgeschnallt.

„Ich hab so lange nicht mehr selbst getötet. Meine Nervösität hat mich verraten!“

„Hast Du noch irgendetwas zu sagen?“, fragte Karin.

„Ja, glaub es mir oder glaub es mir nicht, mir tut nur eines leid: Ich werde meinen Enkel nicht mehr sehen, werde mich nicht verabschieden können von ihm. Das bricht mir das Herz, und ich weiß, es ist meine Schuld!“

„Wenn Du an einen Gott oder eine höhere Macht glaubst, dann sprich Dein Gebet!“

Birdie sank in sich zusammen, das Kinn auf seiner Brust, machte sich bereit. Karin stach den Pfeil in seinen Hals. Als sein Körper leblos vomStuhl auf den Boden rutschte, verließ sie den Raum.

„Komm, los! Hannah wartet doch schon!“, mahnte „Rita Meter“. „Was soll  ? Was willst Du da?“

Im Park am Seeufer beobachtete sie eine junge Frau mit einem munteren kleinen Jungen, der seine Mama immer wieder zum Geländer zerrte und zu den Booten wies: „Mama, Mama, schau, das ist ein Katamaran und das da an dem anderen Schiff, das heißt Spinnaker! Hat mir alles Opa gesagt! Wann kommt denn Opa wieder zurück? Ich freu mich schon so!“

Karin spürte den Stich, der ihr Herz traf.

„Am Ende büßen wir alle für unsere Sünden!“


Veröffentlicht von

hpkluge

Geboren Anfang der 1950iger Jahre, Volksschule, Realschule, konfessionelles Gymnasium, Studium englische Sprache, Literatur, Amerikanistik, Kunst. Abbruch des Studiums nach Auseinandersetzung mit Kunstdozenten und der Weigerung, sich für den Vorwurf dessen ständiger Abwesenheit und Nichterbringung seiner Aufgabe als Lehrender zu entschuldigen. Erste Gedichte, Kurzgeschichten und Liederexte, Songtexte für Solovorträge oder als Sänger einer Hardrockformation. Beteiligung an Gemeinschaftsausstellungen und Einzelausstellungen. Mitbegründer der Essener Künstlergruppe Stadtgas. Anstellung als Krankenpflegehelfer in der Psychiatrie des LVR in Essen. Heirat, Familiengründung. Wechsel in den Vertrieb, Projektmanager für Verwaltungseinrichtung und Innenausbau. Vertriebsleiter und Mitglied der Geschäftsleitung, Prokura, eines mittelständischen Herstellers. Selbstständiger Berater innerhalb der Branche und Personaltraining für Beratung, Verkauf und Dienstleistung in der Gesundheitsbranche. immer wieder sporadisch oder durchgängig künstlerisch tätig u.a. Mitglied einer Künstlergruppe in Westfalen. Nach einer Serie lebensbedrohlicher Erkrankungen Ausstieg aus dem Berufsleben und Rückbesinnung auf den Beginn und die brachliegenden, liegengelassenen Talente. Seit nunmehr etwa drei Jahren Arbeit an kurzen Kurzgeschichten "shortcutstories" ©, Prosagedichten (Poemen) und lyrischen Arbeiten in deutscher und englischer Sprache.

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