Narzissus

© hpkluge 2019

ich hab diese welt immer wieder

und immer nur wieder diese welt

und immer wieder dieses gesicht

und immer nur wieder dieses gesicht

in diesen kristall-leeren augen gesehen, gelesen

da war sonst nichts, rein gar – rein überhaupt nichts

gekachelte wände, böden,

kacheln sogar an der decke

weiß und sagrotanrein.

und dann das immergleiche grinsen, als selbstsicheres lächeln getarnt

wie ein icon überall, allüberall

zwanghaft perfekt

zu aggressiv scharfen bögen gezupft definierte brauen

überheblich der klang, der zwischen zynisch geformten,

kalt gezogenen Strichlippen entweicht

an den hüpfenden gang hebiphrener,

sich in der pubertät festkrallend feststeckender menschenkinder erinnernd

augen voller nichts, die zu gar nichts führen

in diese welt aus nichts und wieder nur nichts

diesen gekachelt sagrotanreinen raum,

von dessen weißen, glasierten kacheln und fliesen

immer und immer wieder nur

dieses gesicht reflektiert wird

unendliche male,

das sich nicht von sich lösen kann

an sich, an der menge seiner reflektionen erstickt,

ertrinkt, verwirrt und ausgelöscht wird.

im erlöschen verätzt es noch mit hämisch schmierigem grinsen und unschuldsvoll vorwurfsvollem schulterzucken den frieden, die liebe,

die welt um sich herum, die menschen guten willens und freier offenheit

um sich an deren schmerz, deren ratlosigkeit und demütigung zu ergötzen, über das kreuz spottend, das sie sich aufladen

narzissus ist die lust, millionenfach in legionen und menschengestalt nichts, leer und böse zu sein!


Veröffentlicht von

hpkluge

Geboren Anfang der 1950iger Jahre, Volksschule, Realschule, konfessionelles Gymnasium, Studium englische Sprache, Literatur, Amerikanistik, Kunst. Abbruch des Studiums nach Auseinandersetzung mit Kunstdozenten und der Weigerung, sich für den Vorwurf dessen ständiger Abwesenheit und Nichterbringung seiner Aufgabe als Lehrender zu entschuldigen. Erste Gedichte, Kurzgeschichten und Liederexte, Songtexte für Solovorträge oder als Sänger einer Hardrockformation. Beteiligung an Gemeinschaftsausstellungen und Einzelausstellungen. Mitbegründer der Essener Künstlergruppe Stadtgas. Anstellung als Krankenpflegehelfer in der Psychiatrie des LVR in Essen. Heirat, Familiengründung. Wechsel in den Vertrieb, Projektmanager für Verwaltungseinrichtung und Innenausbau. Vertriebsleiter und Mitglied der Geschäftsleitung, Prokura, eines mittelständischen Herstellers. Selbstständiger Berater innerhalb der Branche und Personaltraining für Beratung, Verkauf und Dienstleistung in der Gesundheitsbranche. immer wieder sporadisch oder durchgängig künstlerisch tätig u.a. Mitglied einer Künstlergruppe in Westfalen. Nach einer Serie lebensbedrohlicher Erkrankungen Ausstieg aus dem Berufsleben und Rückbesinnung auf den Beginn und die brachliegenden, liegengelassenen Talente. Seit nunmehr etwa drei Jahren Arbeit an kurzen Kurzgeschichten "shortcutstories" ©, Prosagedichten (Poemen) und lyrischen Arbeiten in deutscher und englischer Sprache.

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